Die Maulkorbgewöhnung – richtig in 6 Schritten gemacht, kein Hexenwerk

Die  Maulkorbgewöhnung – richtig in 6 Schritten gemacht, kein Hexenwerk

Im vorherigen Artikel „Der Maulkorb – die richtige Auswahl“ haben wir euch die verschieden Materialien und teilweise Modelle von Maulkörben vorgestellt. Wir hoffen, dass ihr mit dieser Hilfestellung DEN richtigen Maulkorb gefunden habt.

Doch der Kauf eines Maulkorbes alleine ist nicht die Lösung. Er MUSS dringend positiv gewöhnt und aufgebaut werden, damit euer Hund keinen Stress damit hat und sich so normal als möglich verhalten kann. Wir zeigen euch heute die häufigsten Fehler auf und zeigen euch wie man es richtig macht.

Unsere Leseempfehlung für dich:
Hilfe, der Hund trägt einen Maulkorb…

Die häufigsten Fehler

Ein nicht passender Maulkorb

Die Brillenträger unter euch wissen bestimmt, wie unangenehm und nervend eine nicht optimal sitzende Brille ist. Die neue Brille drückt hinter dem Ohr und wird in kürzester Zeit so unangenehm, dass man sie abnehmen muss. Vielleicht bekommt der ein oder andere auch Kopfschmerzen davon.

Hier muss die Brille so schnell wie möglich passend eingestellt werden, so dass du dich wieder wohl fühlst und die Brille für dich kein Störfaktor mehr ist.

Nichts anderes ist es, wenn deinem Hund der Maulkorb nicht optimal sitzt. Sei es, dass der Maulkorb beim Hecheln stört oder er vorne oder von oben auf die Nase drückt, irgendwo reibt oder stark drückt oder sogar die Sicht einschränkt.

Ich selber durfte diese Erfahrung machen. Bagira hatte lange Zeit einen Ledermaulkorb, da ich nie den Richtigen Maulkorb gefunden hatte. Er hat trotz langer positiver Gewöhnung immer wieder seinen Kopf im Gras gerieben und wollte den Maulkorb sichtlich los werden. Seit dem wir nach langem Suchen und x-mal Bestellen endlich den passenden Maulkorb gefunden haben, ist es für ihn überhaupt kein Problem mehr ihn zu tragen. Er läuft völlig normal als wenn nichts wäre und das zeigt mir eindeutig, dass ein passender Maulkorb das A und O ist.

Hier kommst du direkt zu dem Artikel:
Der Maulkorb und die richtige Auswahl

Zu schnelle Vorgehensweise in der Gewöhnung

Ein weiterer großer Fehler ist das zu schnelle Vorgehen in der Gewöhnung, was dazu führt, dass dein Hund den Maulkorb richtig blöd findet und versucht ihn abzustreifen, sich ständig mit dem Maulkorb am Boden oder am Menschen reibt und sehr gestresst ist. Das ist nicht Sinn und Zweck der Geschichte!

Nehme dir Zeit über mindestens 2 bis 3 Wochen mit jeweils 5 bis 7 kurzen Einheiten am Tag, um den Maulkorb positiv so zu gewöhnen, dass dein Hund beim Anblick des Maulkorbes freudig reagiert.

Fehlverknüpfungen

Mache bitte nie den Fehler und setze den Maulkorb bei deinem Hund immer nur ein, wenn negative oder stressige Situationen folgen. Dein Hund wird sehr schnell verknüpfen, dass das blöde Teil immer nur draufkommt wenn eine unangenehme Situation für ihn folgt.

Solltest du eine positive Gewöhnung erfolgreich gemacht haben, ist diese bald futsch und du kannst bei -100 nochmals anfangen!

Der Aufbau

Damit du eine möglichst schnelle und gute Akzeptanz des Maulkorbes erreichst, solltest du dich an folgenden Ablauf halten. Der Aufbau gilt für alle Arten und Materialen von Maulkörben.

Egal ob du einen Plastikmaulkorb (siehe Fotos) nimmst oder Leder, Biothane, Draht oder Silikon.

Mache die Gewöhnung langsam und Schritt für Schritt

Nehme dir Zeit und gebe deinem Hund Zeit sich an den Maulkorb zu gewöhnen.

Optimal sind 5 bis 7 kurze Einheiten von je 3 bis 5 Minuten über den Tag verteilt. Das ganze machst du bitte so lange, bis jeder einzelner Schritt perfekt funktioniert!

Auszeiten vor und nach dem Üben

Bevor du mit einer Übungseinheit beginnst, sollte dein Hund vor der Einheit eine interaktionslose Auszeit erhalten. Umso mehr wird er sich freuen, dass es wieder los geht. Das gleiche gilt für danach.

Plan A

1.Aktiv die Nase in offenen Maulkorb stecken

Nehme den Maulkorb in die Hand und lege ein etwas größeres Futterstück hinein.

Ist dein Hund sofort daran interessiert und steckt seine Schnauze freiwillig in den Korb um das Futterstück zu erreichen, nimmst du nach dem Auffressen aktiv den Maulkorb wieder weg.

Wichtig ist hier, dass du ihm den Maulkorb früher wegnimmst, als dein Hund entscheiden kann die Schnauze selber wieder raus zuziehen um sich der Situation zu entziehen.

Klappt das gut, machst du die weiteren 5 beschriebenen Schritte ganz normal weiter.

Sollte das nicht gut gehen und dein Hund findet den Maulkorb unheimlich, ist skeptisch oder hat Schwierigkeiten damit, schaue dir weiter unten Plan B an.

Bei jedem einzelnen Schritt gilt:
Den letzten Keks gibt es nur durch den Maulkorb! Nicht, wenn du den Maulkorb ausgezogen hast!

Sieht es so aus, wie bei der Katze 😉 und dein Hund ist mehr im Rückwärtsgang als Vorwärtsgang, gehe bitte erst über Plan B.

2. Zeit erhöhen

Schritt für Schritt erhöhst du die Zeit, in der dein Hund seine Nase im Maulkorb hat, bevor du ihm den Maulkorb wieder weg nimmst. Er sollte nach wenigen Wiederholungen aktiv freudig seine Nase reinstecken, weil er gelernt hat hier gibt es eine gute Belohnung. Hierfür darfst du die erste Zeit auch gerne eine höherwertige Belohnung nehmen!

Klappt das gut und dein Hund behält OHNE den Riemen zu verschließen seine Nase im Maulkorb, fängst du an ihn in kurzen Intervallen durch den Maulkorb zu bestätigen.

3. Riemen locker hinter die Ohren legen

Als nächstes legst du immer wieder die geöffneten Riemen (oder auch die Riemen verschlossen mit langer Schlaufe) hinter den Ohren an den Hals.

Achte aber bitte auch hier darauf, dass dein Hund nicht aktiv seine Nase aus dem Maulkorb zieht.

4. Riemen verschließen

In der nächsten Phase (je nach Hund ca. 4-6 Tage später) sollte der Maulkorb mehrere Tage hintereinander immer nur für wenige Sekunden mit verschlossenem Riemen aufgesetzt werden. Dabei lobst und belohnst du deinen Hund auch wieder in kurzen Intervallen.

Dein Hund darf nicht versuchen den Maulkorb abzustreifen! Sollte dies der Fall sein bist du zu schnell vorgegangen oder die Zeit des Tragens ist bereits zu lange (auch wenn es nur wenige Sekunden waren). Gehe bitte nochmals einen Schritt zurück oder verkürze die Tragedauer.

Oftmals hilft auch etwas Bewegung. Am besten du stellst dich vor deinen Hund und locke ihn freundlich, indem du rückwärtsgehst, zu dir. Vielen Hunden hilft dies um den Maulkorb schneller zu akzeptieren, da sie sich auf etwas anderes konzentrieren müssen.

5. Tolle Dinge erleben – mit Maulkorb

Bist du jetzt so weit gekommen, dass dein Hund seinen Maulkorb schon einige Zeit trägt, ohne den Versuch ihn abstreifen zu wollen, finden über den Tag verteilt ganz viele positive Dinge statt. Auch Dinge, die vielleicht sonst untergehen oder nicht erlaubt sind.

Hole deinen Hund gerne zu dir zum Kuscheln auf die Couch, blödel mit ihm rum, lege dich zu ihm auf den Boden und gebe ihm eine ausführliche Massage. Mache alles das, was dein Hund toll findet – nur jetzt eben mit Maulkorb.

Kuscheln

Dein Hund soll lernen, dass der Maulkorb etwas Tolles ist und er sich bereits beim Anblick des Maulkorbes freut.

Hast du es geschafft, dass dein Hund bei diesen Aktionen den Maulkorb ohne Stress und Konflikten akzeptiert, bist du schon ein ganzes Stück weit gekommen.

6. In Alltagssituationen üben

Um dem Fehler von Fehlverknüpfungen entgegen zu wirken, setze bitte den Maulkorb auch im fortgeschrittenen Stadium der Gewöhnung immer in freudigen und entspannten Situationen ein.

Und das heißt es üben, üben, üben. Nehme den Maulkorb zu Gassitreffen, ins Restaurant, an den Bach, beim Tricksen usw. mit und setze ihn immer wieder für kurze Einheiten auf.

Beobachte deinen Hund genau! Du musst reagieren BEVOR dein Hund versucht den Maulkorb abstreifen zu wollen.

Plan B

In der Hundeerziehung braucht man fast immer einen Plan B. Denn jeder Hund ist unterschiedlich und ein Plan B ist somit nicht schlechtest oder negatives!

Sollte dein Hund sehr skeptisch und unsicher auf den Maulkorb reagieren, empfiehlt es sich einen Zwischenschritt einzulegen. Nehme einen leeren größeren Joghurtbecher oder ein größeres Behältnis, wo dein Hund seine Nase reinstecken kann.

Plan B in der Maulkorbgewöhnung

Hier legst du auch ein Futterstück hinein und normalerweise haben hier unsichere Hunde weniger das Problem, sich das Futterstück rauszuholen.

Klappt das zuverlässig und einwandfrei so kannst du wieder versuchen den Maulkorb ins Spiel zu bringen.

Gleichzeitig kannst du den Maulkorb immer mal rumliegen lassen und in die Nähe Futterstücke legen oder auch erstmal den Hund von außen Futter nehmen lassen.

Versuche das ganze so spielerisch wie möglich aufzubauen OHNE deinen Hund zu zwingen.

Wichtig bei der Gewöhnung ist, dass du darauf achtest und DU den Maulkorb aktiv weg nimmst und dein Hund aktiv wieder seine Nase rein steckt. Es sollte nicht zu der Situation kommen, dass dein Hund seine Nase schnell aus dem Maulkorb zieht, weil dann bei ihm Erleichterung eintritt.

Auszeiten vor und nach dem Üben

Bevor du mit einer Übungseinheit beginnst, sollte dein Hund vor der Einheit eine interaktionslose Auszeit erhalten. Umso mehr wird er sich freuen, dass es wieder los geht. Das gleiche gilt für danach.

Notfälle

An oberster Stelle steht immer die Sicherheit für Mensch und Tier. Ist Gefahr im Verzug musst du sofort handeln. Und das ist nicht schön für deinen Hund!

Deswegen empfehlen wir von klein auf einen Maulkorb positiv zu gewöhnen!

In so einem Fall kannst du nicht anderes tun also zu versuchen, deinem Hund mit Leberwurst auf die Schnelle den Maulkorb schmackhaft zu machen. Schmiere den Maulkorb davor mit einer leckeren Paste ein und füttere ihn dann damit auch durch den Maulkorb. Doch solche Aktionen sind nicht positiv für den Hund und meist sehr stressbelastet.

Verstärkt der Maulkorb die Aggression meines Hundes?

Oft wird behauptet, dass das Tragen eines Maulkorbes die Aggression des Hundes verstärkt. Jaein!

Ein ganz klares Nein, wenn der Hund positiv an den Maulkorb gewöhnt ist und er nicht reibt oder sogar Schmerzen verursacht.

Und das Jaein?

Ist der Maulkorb nicht richtig gewöhnt, stört der Maulkorb oder verursacht sogar dauerhaft Druckschmerzen, kommt es zu Stressreaktionen beim Hund.

Bekanntlich erhöht Stress die Empfindlichkeit und auch die Reizbarkeit durch Außenreize. Dadurch kann aggressives Verhalten gefördert und verstärkt werden!

Unsere Leseempfehlung für dich: Stress beim Hund

Sitzt der Maulkorb gut und ist er richtig gewöhnt verstärkt er kein aggressives Verhalten!

Unser Fazit

Hältst du dich an die 6 einzelnen Schritte, hast du deinen Hund sehr schnell positiv an den Maulkorb gewöhnt.

Sollten Fragen auftauchen, darfst du sehr gerne den Beitrag kommentieren, wir werden dir bestmöglich weiter helfen.

Lust weiterzulesen? Viel Spaß!

Über die Autorin
Saskia Katharina Siebel



Ich bin leidenschaftliche Hunde- und Menschentrainerin und eine absolute Herzensangelegenheit ist die Tierfotografie.

Seit nun 2 Jahren schreibe ich regelmäßig Blogartikel (die es manchmal auch in sich haben) und trotzdem ist das Feedback von euch darauf großartig. Viele von euch nehmen sich meine Worte zu Herzen und viele von euch fangen an sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Somit hab ich mein Ziel erreicht 🙂

Ich wünsche mir ein friedvolles, faires und stressfreies Miteinander für jedes Mensch-Hund-Team. Dazu gehört aber mehr als nur Gassigehen und dem Hund Signale beibringen.

Das Wichtigste ist:

Arbeite an dir und lasse dich auf deinen Hund ein. Lerne deinen Hund zu verstehen. Lerne deinen Hund zu lesen. Sei mit Verstand und Herz dabei!

Das Ergebnis wird dich staunen lassen!



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