Stress beim Hund – macht es immer krank?

Stress beim Hund – macht es immer krank?

„Stress meint einen Zustand des Organismus, der durch ein spezifisches Syndrom (Blutdrucksteigerung) gekennzeichnet ist, jedoch durch verschiedenartige unspezifische Reize  (Verletzungen, Ärger, Leistungsdruck) ausgelöst werden kann“.

Man unterscheidet zwischen
– positivem Stress (Fressen, Spielen, Freude) und
– negativem Stress (Überlastung, Überforderung, Unterforderung, Druck ausüben).

Positiver Stress kann durch ein Hineinsteigern (z. B. durch wildes Spiel) in negativen Stress und Aggression umgewandelt werden!

Psychischer Stress entsteht dadurch, dass die Anforderungen an das Individuum größer sind, als die Möglichkeiten diese Anforderungen zu bewältigen!

Eustress (positiver Stress): Optimale Reaktionsbereitschaft und körperliches Leistungsvermögen durch geistige Energieversorgung des Körpers.

positiver Stress

Distress (negativer Stress): Krankhafte Veränderung durch langanhaltenden und starken Stress, wie z. B. Herzprobleme, Schwächung des Immunsystems, Darmkrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Distress führt zu einer erhöhten Aggressionsbereitschaft, die Reizschwelle des Hundes wird herabgesetzt!

Die genetische Disposition und Rassedisposition können Auswirkungen auf die Veranlagung zur Verarbeitung von Stress haben. Auch viele Windhundrassen verarbeiten Reize mit vermehrter Hormonausschüttung.

Die vier verschiedenen Stressphasen nach Hans Selye:

1. Schockphase:

Körper erkennt die Stresssituation und bereitet sich vor zu handeln. In Bruchteilen von Sekunden werden Energiereserven mobilisiert, der Kreislauf und Stoffwechselfunktionen reduziert.

2. Alarmreaktionsphase

Alle Reserven werden aktiviert und Kräfte bereitgestellt. Es kommt zu der Entscheidung:  Flucht oder Kampf.

3. Widerstandsphase:

Besteht die Situation weiter fort, folgt die Widerstandsphase. Die Toleranz gegenüber dem auslösenden Reiz steigt. Gleichzeitig ist die Toleranz anderen Reizen oft erniedrigt, d. h. es treten zusätzliche Stressreize auf. Die Reizschwelle gegenüber weiteren Stressoren ist erniedrigt.

Wird die Situation bewältigt, werden die ausgeschütteten Stresshormone wieder abgebaut und es kommt zur Erholungsphase. Passiert das nicht, kommt es zur Erschöpfungsphase.

4. Erschöpfungsphase:

Der Körper ist jetzt nicht mehr in der Lage, die Einwirkungen zu kompensieren und wird dauerhaft in die Alarmreaktionsphase versetzt. Die anhaltende Hochspannung kann zu organischen Krankheiten führen!

  • Ein dauerhaft erhöhter Hormonspiegel hemmt das Immunsystem und es kommt häufiger zu Infektionskrankheiten.
  • Die andauernde Kreislaufaktivierung hat Folgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankung und Magen-Darm-Erkrankungen.
  • Ein erhöhter Testosteronspiegel kann ein verstärktes Aggressionsverhalten auslösen

Einteilung der stressauslösenden Faktoren (Stressoren):

  • Äußere Stressoren werden durch die Sinnesorgane wahrgenommen und können zur Reizüberflutung führen
  • Nichterfüllung von primären Bedürfnissen durch Durst, Hunger, Harndrang verursachter Stress
  • Leistungsstressoren wie Erwartungsdruck vorm Unterricht, Erwartungshaltung des Herrchens
  • Soziale Stressoren  wie Ausgrenzung aus Lebensbereichen; Mensch zeigt spürbar, dass er mit seinem Hund unzufrieden ist
  • Psychische Stressoren wie ständige Konflikte im Haushalt/Partnerschaft oder Angst
  • Innere Stressoren wie Krankheiten, Behinderungen, Schmerzen beim Hund

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Krankheiten als Stressfaktor:

  • Beeinträchtigung der allg. Leistungsfähigkeit
  • Erkrankungen der Sinnesorgane behindern die Wahrnehmung und schränken die Kommunikation ein
  • Stoffwechselerkrankungen verstärken die Stressanfälligkeit (Fehlfunktion der Schilddrüse)

Stressauslösende Faktoren:

Akute oder chron. Schmerzen, Besitzerwechsel, Umzug, Angst, Jagen, Spiel mit Menschen, Ärger/Wut, Kinder, Läufigkeit, Mehrhundehaltung, Geräusche, Streit, Tierarztbesuche, Autofahren, Falsche Trainingsmethoden, Unterforderung = Langeweile, Zu hohe menschliche Erwartungen, Erschöpfungszustände, Zu wenig/viel Körperkontakt, Zu wenig/viel Regeln, Isolation, Resignation

Was löst noch Stress beim Hund aus:

  • unzureichende Ruhephasen
  • Überforderung durch zu viele Rennspiele, Stöckchen werfen, Frisbee, Agility u. ä. (hohe Adrenalinausschüttung)
  • Bedrohung durch Artgenossen oder ständige Auseinandersetzungen mit anderen Hunden
  • Inkonsequente, launische Hundehalter (Hund muss Menschen einschätzen können, damit er immer weiß woran er ist)
  • Angst vor Strafe
  • Überforderung in unkontrollierten Welpenspielgruppen
  • Positive Emotionen können Stress auslösen (ausgedehnte Begrüßungsrituale können Ursache für einen hektischen Hund sein)
  • Einsamkeit und/oder Verlassenheitsängste
  • Ängste und Phobien (mangelnde Sozialisation im Welpenalter)
  • Bei einer Anhäufung von Stresssituationen wo der Hund am Ende bis oben hin gestresst ist, braucht es ca. eine Woche bis der Stresspegel wieder gesunken ist.  Bei extremen Fällen kann es sogar bis zu einem Jahr dauern.

Stresssymptome

Kratzen Haarausfall Appetitlosigkeit Erbrechen Durchfall Aufreiten Zittern Schütteln Anspringen Selbstverletzung Hyperaktivität Nervosität Übersprunghandlungen Mangelnde Impulskontrolle Hypersexualität Wundlecken Allergien Bellen Beschwichtigungssignale zeigen Hecheln Koten/Urinieren Übermäßige Körperpflege Lautäußerungen In die Leine beißen Schlechte Konzentration Passivität

Anti-Stress-Programm

  • Langfristiges Training
  • Arbeiten mit Distanzkontrolle gegenüber den Stress auslösenden Faktoren
  • Ruhepausen
  • Aktivität reduzieren oder ändern
  • Anzeichen von Überforderung beachten (Nase lecken, kratzen, gähnen, strecken, …)
  • Rituale einführen, sie geben dem Hund Sicherheit
  • Ruhe bewahren und Gelassenheit ausstrahlen
  • Nicht an den Symptomen, sondern an den Ursachen arbeiten!

Wird nur ein Symptom ausgelöscht, wird die Ursache weiterhin beibehalten. Sie wird anderweitig oder in verstärkter Form auftreten, oft im Jagdverhalten und/oder in aggressiver Form.

Könnt ihr solche Symptome bei eurem Hund verstärkt beobachten?

Stress auf Dauer macht krankt. Lasst euren Hund medizinisch durchchecken und holt euch professionelle Hilfe, damit dein Hund noch lange gesund an deiner Seite bleibt.

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