Und plötzlich ist alles anders…

Und plötzlich ist alles anders…
149220 Sekunden – 2487 Minuten – 41 Stunden, 27 Minuten – 1 Tag, 17 Stunden, 27 Minuten 

02.07.2018 – 12:27 Uhr – und dann warst du tot.  

Ich höre ständig dein leises Wuffen, wenn der Nachbarshund bellt. Ich höre dein Krallen-Tippeln auf unserem Parkett. Ich höre dein Quitschen, wenn du aufgeregt warst. Ich höre dein Hüsteln, wenn du dich beim Wasser trinken wieder verschluckt hat. Ich höre dein Schlecken, weil deine heiligen Füße nicht sauber waren. Ich höre dein Bellen, wenn die Pferde an unserem Zaun vorbeilaufen. Ich höre ständig dein Schütteln und darin warst du wirklich gut. 

Schütteln war deine Lösung für alles

Ich spüre, dass du hinter mir läufst, egal wo ich bin. Ich warte jeden verdammten Tag darauf, dass du mir in der Wohnung zur Begrüßung entgegenläufst und an mir hochkrabbelst. Ich warte jeden verdammten Tag darauf, dass du imaginäre Gegner jagst. Ich warte jeden verdammten Tag darauf, dass du wieder wie 10 Jahre lang, in meinem Bett an meinem Kopf einschläfst.

Immer eng an meinem Kopf

Ich warte jeden verdammten Tag darauf, dass du wie ein verrückter Duracell-Hase durch die Wohnung schießt und dich deines Lebens freust.  

Genauso behalte ich dich in Erinnerung – Duracell-Hase

Ich vermisse es so sehr, dass du auf meinem Schoß liegst. Ich vermisse deine verrückte und individuelle Art, wie du manchen Menschen auf die Nerven gehen konntest und ich mich amüsiert habe. Ich vermisse es, dass ich heimkomme und du den Mülleimer geleert hast. Ich vermisse es, dass du ins Gästezimmer pinkelst, weil es draußen regnet und du dir deine heiligen Füße nicht nass machen möchtest.

Ich vermisse deine Stärke, dich abgrenzen zu können. Ich vermisse dein ständiges Schütteln. Ich vermisse dein Bellen. Ich vermisse dein Gezeter, wenn dir andere Hunde zu nahekamen. Ich werde es im Winter vermissen, dich in deinen Schneeanzug zu packen. Ich werde es im Winter vermissen, dass du wie ein Hase durch den Schnee fliegst.

Ich werde dich jeden Urlaub in Italien vermissen. Du hast mich 10 Jahre lang jedes Jahr teilweise mehrere Monate dorthin begleitet und das erste Mal wieder dort ohne dich hinzufahren macht mir Angst.

Dein Platz zwischen deinen Kumpels

Ich vermisse es, dass ich dich bei Sauwetter in die Dusche zum Abduschen stellen musste. Ich vermisse es, dass du unter Bagira durchläufst, weil er wieder mitten im Weg steht. Ich vermisse es, dass du zwischen meinen Beinen sitzt und schön schaust in der Hoffnung was vom Essen abzukriegen.

Ich vermisse es, dass du dich beim Lösen immer x-Mal im Kreis gedreht hast und deine Hasen-Bollis immer kreuz und quer lagen. Ich vermisse es, dass du mir nach dem Duschen die Beine ableckst.

Ich vermisse es, dass du nach dem Raspeln von Bagiras Karotten dir nicht mehr das Endstück in der Küche abholst. Ich sehe dich jeden Tag, wie du hinter Bagira stehst und darauf wartest, dass er vielleicht Krümel im Futternapf hat liegen lassen, die du dir nehmen kannst. Jeden Abend sage ich: “Komm Jamaro wir gehen Heia machen” und dann merke ich, dass du nicht mehr da bist.  

Quality Time

Ich begreife es nicht. Ich realisiere es nicht. Ich dachte ich habe noch so viel Zeit mit dir. Ich mache mir riesige Vorwürfe. Hätte ich nur die letzten Wochen/Monate mit dir intensiver gelebt. Doch ich kämpfte um Bagiras Leben und du warst der Mitläufer. Diese Tatsache tut mir unendlich leid und zerreißt mir mein Herz. Bitte verzeihe mir! Ich war dankbar, dass du so unproblematisch diese Monate warst. 

Dein bester Freund Giorgio hat in den 10 Jahren so oft auf dich aufgepasst. Immer wenn du bei “Opa” warst, hattest du Urlaub. Du hast Pizzareste bekommen, durftest überall mit hin, hast am Tisch immer schön gebettelt.

In Italien bist du oft früh morgens zur “Oma” und hast dich auf ihre Yoga-Matte gelegt während sie ihre Übungen gemacht hat. Es wird in Zukunft alles anders sein – ohne dich.

Die schönsten Momente mit unserer Familie

Ich habe viele Fotos, die ich nicht für perfekt hielt von dir gelöscht… Weil ich dachte, es kommen noch so viele Gelegenheiten wo ich dich fotografieren und filmen kann. Und jetzt? Bist du nicht mehr da.  

Das hast du am Liebsten gemacht – Springen, Apportieren, Tricks

Ich wollte wieder mehr Dummytraining und Gerätarbeit mit dir machen, weil es dir viel Spaß gemacht hat. Ich hatte zu wenig Kraft und Kopf dafür und jetzt bereue ich es. Und dieses Bereuen wird von Tag zu Tag mehr.

03.07.2018 

Für immer bei mir

Ich habe einige Monate darauf gewartet, dass ich einen kurzfristigen Termin beim Tätowierer bekomme, da ich deine, Bagira´s und Sunny´s Pfote auf meinem Unterschenkel verewigen wollte. Du warst keine 4 Stunden tot, da kam der Anruf…

Ich konnte es nicht fassen und im Nachhinein bin ich davon überzeugt, dass das deine erste Handlung aus dem Paradies war um mir Trost zu schenken. Dafür danke ich dir von Herzen!

Der Termin kam zur richtigen Zeit, denn so konnte ich gleich dein Todes-Datum mit stechen lassen. Ich war so erschöpft, dass ich die Zeit während des Tätowierens schlafend verbrachte.

Jetzt hab ich dich auch für immer unter meiner Haut…

09.07.2018 

Die letzten Minuten mit dir

Jetzt gerade vor einer Woche  hast du in der Tierklinik bereits den Kampf verloren und niemand wusste es, geschweige denn jemand ahnte es, dass du eine Gallenblasenruptur hast die tödlich für dich sein wird. Dein Körper hat aufgegeben – warum auch immer.

Doch ich wusste nichts davon. Ich lag in meinem Bett und weinte um dich, betete und hoffte das die Klinik über Nacht nicht anruft und ich dich morgen wieder abholen darf.

Alleine das Gefühl dich dort zurück lassen zu müssen hat mir das Herz zerrissen. Ich konnte nicht für dich da sein. Dich nicht in den Armen halten.  

Am 02.07.2018 um 12:00 Uhr haben mir die Ärzte dich auf den Arm gegeben und mir mitgeteilt, dass sie nichts mehr für dich tun können. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Ich konnte nur noch weinen, nicht mehr klar denken und ich habe dich ein letztes Mal in meinem Leben auf dem Arm gehabt und fest an mich gedrückt.

Ich wollte es nicht wahrhaben, doch es gab keine andere Möglichkeit als dich zu erlösen. Dann haben Bagira und Spyck sich von dir verabschiedet. Um 12:27 Uhr habe ich dann die Entscheidung getroffen, dich von deinem Leid und deinen Schmerzen zu befreien.  

Du hast nicht mal mehr gekämpft, als du die Beruhigungsspritze bekommen hast. Du bist direkt friedlich eingeschlafen. Danke dafür! Es wäre für mich unaushaltbar gewesen, wenn du jetzt noch Widerstand geleistet hättest… 

Zuhause angekommen habe ich dich in dein Lieblingsnest gelegt und mich mit dir in die Wiese gelegt. Ich brauchte Zeit. Zeit mit dir, auch wenn nur noch deine Hülle bei mir lag. Aber vielleicht war auch noch ein bisschen Seele bei uns im Garten, denn Spyck und Bagira lagen stundenlang in meinem Rücken, dicht an uns und haben auf uns aufgepasst.

Ich konnte dich ein letztes Mal streicheln, dich riechen, dein wundervolles weiches Fell spüren. Der Gedanke, dass ich dich nicht ewig bei mir lassen kann, machte alles noch viel schwieriger. Wir lagen Kopf an Kopf, so wie wir es 10 Jahre nachts gemacht haben. Die Nacht durftest du bei mir im Schlafzimmer verbringen. Ich konnte nicht schlafen….  

Ich konnte mich lange nicht entscheiden, ob ich dich vergrabe oder ob ich für immer deine Asche in einem Engel mitnehmen kann, wie ich möchte.

Deine Urne von deinem Freund Giorgio

Meine Seele hat aber dann schlussendlich gesagt, dass ich deine Hülle verbrenne und du die schönste Urne der Welt von deinem Freund Giorgio bekommst.  

Der letzte Weg mit dir nach Erolzheim hätte noch Stunden länger dauern können. Du bist auf meinem Schoß gelegen und ich konnte die letzten Minuten dein Fell spüren.

Loslassen – das Schmerzvollste überhaupt

Der Gedanke, dass ich dich gleich hergeben muss brachte mich um den Verstand. Ich weigerte mich innerlich und äußerlich dich wirklich loszulassen. Ich konnte dich doch nicht einfach so weggeben. Aber ich musste….  

10.07.2018 

Schillig – der Ort wo alles angefangen hat

Du warst fast 10 Jahre für mich da! Ich habe mich am 28.11.2008 für dich entschieden. 2 Tage zuvor, bin ich mit Dominik nach Schillig an die Nordsee gefahren um dort deinen Namen zu suchen. Es sollte ein Name sein, der einzigartig, selten und einfach wunderschön ist.

Das erste Foto 28.11.2008 …

Jamiro heißt “Krieger mit Herz”. Und da ich noch was individuelleres haben wollte – bekamst du den Namen Jamaro. Und du warst ein Krieger mit Herz. Durch und durch zu 100 %.

Du solltest mein Therapiehund werden und du hast deine Arbeit großartig gemacht. Ich lebe!

Auch beim Ausreiten warst du immer mit dabei

Du hast dafür gesorgt, dass ich Verantwortung übernehme. Tag für Tag. Egal wie es mir ging. Egal wie schlecht ich drauf war, du warst immer da.  

Manche werden vielleicht sagen, es war doch „nur“ ein Hund – auch noch ein kleiner dazu. Nein, auch du warst und bist mein „Kind“ gewesen. Dieses Gefühl kann ich nicht beschreiben. Es ist eine Verbundenheit, ein Gefühl was nicht in Worte zu fassen ist.

Für mich waren und sind meine Tiere mehr als nur Tiere. Sie sind vollständige Familienmitglieder und mein Kinder-Ersatz. Auch du warst von Anfang an ein vollständiges Familienmitglied.

Du durftest dich trotz deinem weißen Fells in Dreck und Mist wälzen, du durftest buddeln das nur noch eine Dusche half. Du durftest Hund sein.  

Glücklich und schmutzig

Ich hätte dir noch so viele schöne Jahre gegönnt. Ich hätte dich so gerne bis ins hohe Alter – von mir aus mit Demenz, Inkontinenz und allen anderen körperlichen Einschränkungen begleitet. Ich hätte dich auf Wanderungen oder wenn der Weg zu anstrengend für dich wäre, im Rucksack getragen.

Doch das alles sind jetzt Wunschvorstellungen, dich mich unendlich traurig machen, weil ich es nie erleben darf.  

Im Moment gibt es nur zwei Zustände. Ich befinde mich wie im Nebel, alles ist kalt, tot und keinerlei Gefühle sind da oder ich bin in tiefster Trauer und einem Schmerz, der mich innerlich zerreißt. Ich weine jeden Tag um dich. Ich weine um dich und um verpasste Gelegenheiten die ich nicht genutzt habe.

Wieviel Quality Time habe ich dir geschenkt? Die letzten Monate viel zu wenig.

Quality Time – nur wir zwei

Ich stehe im Moment vor dem Abgrund und gebe jeden Tag mein Bestes keinen Schritt weiter zu gehen sondern dort stehen zu bleiben und Stück für Stück wieder rückwärts zu gehen oder mich gar umzudrehen.  

Die Phase, wo ich Wut empfand, wenn ich andere Hunde gesehen habe ist meistens vorbei. Es waren Gedanken wie „Warum darf der Hund leben und Jamaro nicht?“, „warum verdammt nochmal genießt dieser Mensch nicht jede Minute mit seinem Hund?“, „sei froh das dein Hund bellt, ich wäre froh wenn ich Jamaro bellen hören könnte“. 

11.07.2018  

Ich warte jeden Tag darauf, dass das Krematorium anruft und mir mitteilt, dass ich dich wieder abholen darf. Heute Morgen hatte ich das Gefühl, dass es bald soweit ist. Um 13:43 Uhr klingelte endlich das Telefon.

Nun konnte die Autofahrt gar nicht schnell genug sein. Die Gefühle, die ich auf diesem Weg hatte, sind schwer zu beschreiben. Es war eine Mischung aus “Endlich bist du wieder bei mir” und “Nein!

Jetzt bin ich wieder einen Schritt näher am Realisieren und akzeptieren MÜSSEN, dass du nie nie wiederkommst”. Ich war und bin total gespalten und fühle mich auseinandergerissen. Das Gefühl dich wieder in Form von grober Asche in den Händen zu halten in einem kleinen Tütchen ist schrecklich.

Wo bist du hin? Ich will wieder deine Locken spüren und 5,1 kg auf dem Arm haben und nicht wenige hundert Gramm…. 

13.07.2018 

Ich setzte mich jeden Tag immer wieder hin und versuche meine Gedanken und Gefühle zu sortieren und aufzuschreiben. Es ist ein Chaos in mir. Es gibt Momente, da bin ich davon überzeugt, dass du in Italien bei deinem Freund Giorgio auf mich wartest. Dann holt mich die Realität wieder ein wenn ich dein Grab sehe, die Kerzen und Bilder die im ganzen Haus aufgestellt sind.  

Ich suche seit deinem Tod verzweifelt nach Videos, wo nur du und ich drauf sind. Ich suche Videos, wo du wie ein verrückter über die Wiesen rennst. Und ich muss akzeptieren, dass es das nicht gibt. Warum auch immer. Es gibt hunderte Videos von anderen Hunden und ihren Menschen, die ich gemacht habe. Aber keines wo von uns gemacht wurde und das zerreißt mich, macht mich wütend und verzweifelt.

Ich bräuchte jetzt ein Video um dich nochmal live zu sehen. Ich habe Angst, dass ich es mir bald nicht mehr in meinem Kopf vorstellen kann…  

Jeden Tag gibt es wieder Situationen die ich mit dir das letzte Mal gemacht habe. Und es ist so unendlich schwer Dinge zu tun, die ich mit dir verbinde. Das erste Mal mit deinen Freunden Lenny und Elvis spazieren zu gehen – ohne dich – war die Hölle. Bald in den Urlaub zu fahren, an den Ort wo du mich 10 lange Jahre jedes Jahr mit hinbegleitet hast – wird die Hölle. Jede Autofahrt, wo ich weiß dass du jetzt zum Quitschen angefangen hättest, ist die Hölle.

Alle Ausflüge, wo ich mit dir geplant hatte – werden in Zukunft die Hölle. Und die Tatsache, dass ich es immer wieder zeitlich aus irgendwelchen blöden Gründen geschoben habe – macht mich fertig und bringt mich an meine Grenzen.  

Eigentlich müsste ich jetzt jeden Tag mit meinen Liebsten so verbringen, als wäre es der letzte Tag. Und ich gebe mein Bestes. Doch es ist so unglaublich kräfteraubend. Ich muss mir immer wieder, auch wenn ich es nicht wissen will, hervorrufen, dass es so schnell vorbei sein kann. Von einer Sekunde auf die andere. Keiner von uns weiß, wann unsere und die Zeit unserer Tiere hier auf der Erde vorbei ist.

Warum tue ich so, als wäre als unendlich? Warum fällt es mir so schwer, die kleinen Dinge und Freuden stark wahrzunehmen? Warum feier ich nicht jeden Tag so, als wäre es mein/unser letzter?  

Ich nehme mir jeden Tag wieder vor gnädig zu sein. Mit meinem ganzen Herzen und meiner Seele die Zeit zu genießen, die ich und meine Liebsten haben.      

13.07.2018 

Heute habe ich das gemacht, was ich mit dir vorhatte. Wir wollten Fotos am leeren Forggensee machen und ich habe es geschoben und geschoben und jetzt bist du nicht mehr da. Der Weg dorthin mit dem Wissen, dass du nirgends auf den Fotos sein wirst war unerträglich. Ich wollte nicht dorthin, wollte schon absagen… weil es so unendlich weh tut, dass ich so viele Chancen mit dir verpasst habe. Doch dann dürfte ich bald nichts mehr machen, weil mich alles an dich erinnert…  

Das letzte Foto mit dir

Ich habe Bagira fotografiert, denn er ist das Kind was jetzt noch bei mir ist und ich möchte mir nie wieder vorwerfen, hättest du mal… In der Zeit des Fotos machen war ich abgelenkt und konnte mich seit 2 Wochen das erste Mal etwas lösen. Doch in dem Moment, als wir fertig waren war alles wieder präsent.  

14.07.2018 

2 Stunden vor deiner Gallenblasenruptur …

Heute vor 2 Wochen sind wir zusammen 3 Stunden unterwegs gewesen. Wir haben es uns auf der Picknick Decke bequem gemacht und du hast dich bei Anne und Silke mit Futter erfolgreich durch gebettelt.

Du bist gesprungen, gerannt und wir hatten das perfekte Leben. Du warst so wie ich dich 10 Jahre lang erleben durfte – aufgeweckt, frech, lustig und einfach meine Locke.  

Es fühlt sich immer noch so an, als wäre es gestern… Der Schmerz ist so tief und so heftig, dass ich in jeder Minute an dich denke.   

15.07.2018

Bagira sucht jeden Tag dein Grab. Er liegt auch sehr oft dort und schläft tief und fest.

Bagira sucht deine Nähe

17.07.2018

Heute vor 2 Wochen habe ich dich für immer hergeben müssen. Die Gefühle, die ich auf der Fahrt ins Krematorium hatte sind immer noch da, wie als wäre es gestern gewesen. Manchmal realisiere ist es mittlerweile, dass du nie wieder zurück kommen wirst. Und dann frage ich mich: Was hilft mir um deinen plötzlichen Tod zu verarbeiten?

Ich stelle fest, dass genau dieses Aufschreiben, das Bilder raussuchen, das Anschauen und die Gefühle die ich dazu habe – mir hilft. Ich möchte oft meine Gefühle nicht haben, weil es einfach saumäßig weh tut. Ich verzweifelt bin. Vorallem wenn ich dann einfach zusätzlich sehe, dass es Bagira nicht gut geht und die Angst immer größer wird, dass ich ihn auch noch bald verliere… Diese Angst lähmt mich. Und das möchte ich nicht. Doch es ist so leicht gesagt …

Dein Lieblingstrick – Tanzen

In dem Moment, wo meine Gefühle da sein dürfen und ich so sein darf wie ich in dem Moment bin, merke ich wie es phasenweise ein bisschen leichter wird. Das Auseinandersetzen mit dem Tod hatte ich bei dir einfach noch NIE auf dem Schirm. Und jetzt damit umzugehen, wo es zuspät für eine Vorbereitung ist, ist schwer.

Auch zwei Wochen nach deinem Tod, kommt immer wieder die Frage warum. Ich hatte mich die letzten Monate fast schon gewundert, warum du plötzlich soooo extrem anhänglich bist. Du bist auf jedem Spaziergang mir nicht von der Seite gewichen. Hast keine Vögel oder Autos oder Fahrradfahrer mehr gejagd, du bist abends immer zum Kuscheln gekommen… hattest du eine Ahnung was bald passieren wird?

Ich weiß, dass diese Fragen müßig sind, weil ich darauf keine Antworten mehr bekomme und doch hilft es mir zu verstehen, warum du dies oder das nicht mehr oder anders gemacht hast.

Nach 2 Wochen suchen habe ich nun endlich noch ein Video von dir gefunden. Es ist 2010 in Italien gemacht worden und als ich das gefunden habe, konnte ich das erste Mal nach 2 Wochen Weinen etwas schmunzeln. Dich so zu sehen, wie du nicht aufgibst, wie du versuchst verschiedene Strategien und Wege zu finden und dann schlussendlich zum Erfolg kommst, lässt mich dir ganz Nahe sein. So warst du und so werde ich dich immer in Erinnerung behalten.

Jeden Tag fallen mir neue Dinge ein, die ich mit dir erlebt habe. Und die Gedanken daran sind schmerzhaft und schön. Die Jahre, wo ich mit dir monatelang in Italien verbringen durfte, werde ich nie vergessen.

Ligurien – dein zweites Zuhause

Wenn wir unterwegs sind, dann fehlt mir die dritte Leine in der Hand…. Mir fehlt es auf dich aufzupassen… Mir fehlt einfach alles …

Meine Jungs …

Du warst von Anfang an kein Freund von anderen Hunden. Du brauchtest keine fremden Hunde zum Spielen. Du wolltest einfach deinen Weg gehen. Die letzten Monate allerdings hast du dich auch da verändert. Mit deinen Freunden Elvis und Lenny war die Welt spannend und die Zeit, die ich da mit dir alleine verbracht habe, ist jetzt unendlich wertvoll für mich.

Es waren Monate, wo es nur dich und mich gab. Kein Bagira, kein Spyck. Im Urlaub dieses Jahr im April hattest du mich seit 3 Jahren das erste Mal ganz für dich alleine. Und du hast es genossen. Ich auch. Und dass ich dir so ein wundervolles Geschenk noch machen durfte, besänftigt etwas meine Seele. Geplant war der nächste Urlaub mit dir alleine auch schon… Doch jetzt ist es zu spät.

Ich könnte und werde wahrscheinlich auch hier noch ewig weiter schreiben. Es wird ein langer Weg werden, um das Erlebte und diesen Schock verarbeiten zu können. Ich werde mein Bestes geben, dass ich jeden Tag so lebe, als wäre es mein letzter Tag.

Ich werde mein Bestes geben, jeden Tag meine Kraft, meine Liebe, meine Zuneigung, meine Herzenswärme und meine Geduld den Menschen und Tieren zu schenken die ich liebe.

Denn auch bei ihnen kann der letzte Tag unverhofft und ohne Vorwarnung kommen. Ich möchte mir nie wieder sagen müssen: hättest du mal….

4 Kommentare

  • Enrica Mühlhans gepostet 20. Juli 2018 22:06

    Kann eigentlich jetzt nicht schreiben weil meine Augen voller Tränen sind,doch es hat mich so berührt. Verstehe deine Gefühle nur zu gut, diese Liebe die dich mit deiner Süßen verbindest geht über den leider unvermeidbaren Tod hinaus. Finde es so wichtig und richtig das du darüber schreibst. Möge bald der Frieden und das Gefühl bei dir einkehren dass deine Jamaro das schönste Hundeleben bei dir erleben durfte. Es war woll ein Geben und Nehmen aber auf wundervollster Weise.

    • saskiakatharina gepostet 20. Juli 2018 22:09

      Ich danke dir von Herzen für deine wundervollen Zeilen! Es wird dauern bis ich das verarbeiten kann … und er fehlt mir in jeder Sekunde so schrecklich …

  • Claudia gepostet 16. April 2019 20:49

    Dein Verlust tut mir schrecklich leid. Ich hoffe, dass du mittlerweile mit dem Schmerz etwas besser umgehen kannst und, wie sagt man so schön: die schönen Erinnerungen den Schmerz etwas zurückdrängen. Ich hoffe, dass es wirklich so ist, denn mir geht es genauso wie dir. Ich musste meinen Seelenhund letzte Woche am 11.04. um 16.19 Uhr gehen lassen. Er war schon länger sehr krank, wobei wir das eigentlich mit Medikamenten im Griff hatten, doch dann kam innerhalb weniger Tage immer mehr dazu und die ganzen benötigten Medikamente waren jeweils schlecht für eine der anderen Erkrankungen. Letzten Endes war mein Schatz in der Tierklinik und hatte selbst unter starken Schmerzmedikamenten extreme Schmerzen. in Verbindung mit dem aussichtslosen Kampf gegen alle Krankheiten entschloss ich mich auf Anraten der Ärzte, ihm seine Qualen zu ersparen und den letzten Weg mit ihm gemeinsam zu gehen. Seitdem ist nichts mehr wie es war. Auch ich höre und sehe meinen „Romeo“ bei jeder Gelegenheit. Ich schwanke zwischen absoluter Starre ohne Gefühl und hemmungslosem Weinen um die treuste und liebste Seele, die ich je kannte. 11 Jahre war er stets an meiner Seite, mein kleiner Mann. Das letzte Jahr musste er leider etwas zurückstecken, da ich ein Kind bekommen habe. Ich bin traurig, dass er meine Liebe nun teilen musste. Und ich bin traurig, dass er seine letzten Tage ohne mich in der Klinik verbringen musste. Aber ich wollte nichts unversucht lassen ihn zu retten. Aber das konnte ich nicht, er hatte schon aufgegeben. Der Moment als ich erlösen lassen musste, hat sich in meine Seele eingebrannt, ständig fühle ich seinen kleinen leblosen Körper in meinen Armen. Ich hoffe wirklich, der Schmerz verblasst irgendwann. Auch ich könnte ewig über ihn schreiben. Du hast mich ermutigt, es anzupacken, vielleicht wird es mir helfen jede Erinnerung festzuhalten. Ich bin sehr froh, deinen Beitrag gefunden zu haben. Es macht mir Mut, zu wissen, dass ich nicht allein mit diesem unendlichen Schmerz bin. Vielen Dank dafür!

    Ich wünsch dir alles Liebe und weiterhin viel Kraft!

    • saskiakatharina gepostet 17. April 2019 10:37

      Liebe Claudia,

      dein Kommentar berührt mein Herz und ich habe Gänsehaut bekommen beim Lesen. Erst einmal schicke ich dir ganz viel Licht und Liebe und viel Kraft deinen Verlust von Romeo ertragen und irgendwann verarbeiten zu können. Ich kenne deine Gefühle sehr gut und mit einem lächelnden und einem weinenden Auge freue ich mich über dein Geschriebenes. Ich möchte dir Mut machen anfangen zu schreiben. Für mich war es der Beginn der Verarbeitung. Wenn du in Facebook bist, darfst du mich gerne auch privat anschreiben. Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen! Alles alles Liebe und Gute für dich!

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