Schockzustand – Angriff eines anderen Hundes

Schockzustand – Angriff eines anderen Hundes

Aus traurig aktuellem Anlass schreibe ich euch heute etwas über die ständig lauernde Gefahr, wenn man Besitzer von vor allem kleineren Hunden ist. Es kann jahrelang gut gehen, doch wenn es zu einem Angriff von anderen Hunden kommt, haben kleine Hunde immer einen Nachteil. Sie haben bei Angriffen von größeren Hunden meistens geringere Chancen und ziehen oft den Kürzeren.

Ich musste selber mit erleben, wie mein kleiner Jamaro dreimal das Opfer von größeren Hunden wurde und diese Erfahrung wünsche ich keinem Hundehalter. Ich konnte ihn damals nie beschützen, da ich zu blauäugig, zu gutgläubig und damals noch nicht übervorsichtig war. Leider.

Hundeschule Allgäu - Vorbereitung - Training - Miteinander arbeiten

Aber wer rechnet schon damit, das andere Menschen ihre Hunde ohne Maulkorb und Führung laufen lassen, obwohl sie vielleicht wissen, dass ihr Hund ein Thema mit anderen Hunden hat.

Ich war zum Schluss so weit, dass ich Jamaro nur noch mit sehr gut bekannten Hunden in den Freilauf gelassen habe. Zu fremden Hunden oder auch nicht 100 % sozialverträglichen Hunden habe ich keinen Kontakt mehr zugelassen.

Alleine das ist traurig und ich musste mich oft rechtfertigen, aber es zeigt auch, dass es leider immer mehr Hunde gibt, die entweder wissentlich nicht ausreichend gesichert werden oder unwissentlich von einem Moment auf den anderen ausrasten, obwohl bis dahin noch nie etwas vorgefallen ist. Da kommt dann meistens der Spruch: „Das hat er ja noch nie gemacht!“ Oder „Rüden mag mein Hund nicht so“.

Zweimal konnte ich Jamaro schützen, indem ich ihn in Situationen hochgenommen habe, die vielleicht anders geendet hätten – hätte ich es nicht getan. Und ich weiß, dass man kleinere Hunde nicht auf den Arm nehmen sollte, falls eine Situation brenzlig wird oder man kein gutes Gefühl hat. Doch bin ich ganz ehrlich zu euch, ich würde es immer und immer wieder tun, auch wenn ich dann vielleicht das Opfer des Angreifers werde.

Wichtig ist aber hierbei, dass ihr nicht panisch wegrennt oder hysterisch kopflos schreit. Ich als Hundetrainerin habe meinen Körper und meinen Geist weitestgehend in solchen Ausnahmesituationen unter Kontrolle und konnte mich (trotz Jamaro auf dem Arm) um den Angreifer kümmern.

Bitte versteht mich nicht falsch: Es bedeutet NICHT, dass ihr euren kleinen Hund ständig hochnehmen sollt, nur weil ein größerer Hund auf euch zu kommt!!! Es geht hier nur um Notfallsituationen!

Allerdings beschränke ich den weiteren Teil des Blogs nicht nur auf kleinere Hunde, sondern auf alle Größen von Hunden, weil auch das leider immer wieder Thema ist: Wie kann ich mich schützen und wie kann ich meinen Hund schützen?


„Ego – ich, ich, ich“ Gesellschaft

Was passiert in der heutigen Zeit?

Warum werden immer mehr Hunde durch unangemessenes Aggressionsverhalten und auch Beißattacken auffällig?

Warum gibt es immer mehr Menschen, die keine Verantwortung über und für ihr Tier übernehmen?

Warum ist die Gesellschaft so rücksichtslos und respektlos geworden?

Hatte diese Rücksichtslosigkeit auch etwas mit dem Verhalten von vielen Hunden zu tun?

Diese Fragen lasse ich einfach mal so stehen. Vielleicht entsteht dadurch eine „Mehrwert“-Diskussion in Facebook oder auch hier auf der Homepage. Ihr seid herzlich eingeladen, eure Meinungen und Erfahrungen zu teilen.


ES KOMMT OFT ANDERS WIE GEPLANT …

Vor ein paar Wochen wurde der Jack Russel meiner Freundin Opfer eines Angriffes von einem Schäferhund. In dem Fall kannten sich die Besitzer sogar. Der letzte Hundekontakt war allerdings schon länger her. Damals war der Jack Russel noch ein Jungspund und heute ist er erwachsen.

Die Situation verlief ungünstig direkt nach dem Auto aussteigen und die Zusammenführung war völlig anders geplant. Meine Freundin hatte Elvis (Jack Russel) aussteigen lassen und die Autotüre zugemacht, als der Schäferhund (an Flexi und Stachelhalsband geführt… KEIN WEITERER KOMMENTAR) auf den Jack Russel los ging, ihn mehrmals am Rücken packte und anfing Elvis zu schütteln.

Keiner kann sagen, wie und warum es wirklich zu so einem heftigen Angriff kam und hier können alle Beteiligten nur aus der Situation, die zum Glück durch schnelles Eingreifen nicht noch mehr Schaden angerichtet hat, lernen.

Diese gemachte unschöne Erfahrung kann weder beim Hund noch beim Menschen rückgängig gemacht werden, jetzt gilt es das Beste daraus zu machen und zu lernen.

Wichtig ist vor allem, dass der Mensch diesen Schockmoment wirklich verarbeitet. Ich selber habe Jamaro noch wochenlang erbärmlich in Gedanken schreien gehört und die Bilder aus meinem Kopf zu bekommen hat lange gedauert.


VERARBEITEN DER ERFAHRUNG

Hast du vielleicht schon einmal so ein Erlebnis verarbeiten müssen?

Ich kann dir nur empfehlen, rede ganz viel darüber. Rede über deine Gefühle und Ängste, das hat mir sehr geholfen. Auch ist es hilfreich relativ zeitnah nach dem Angriff (je nach Schweregrad der Verletzung) viele gute Hundekontakte zu schaffen. Das gibt dir und deinem Hund wieder Sicherheit.

Es kann sein, dass dein Hund den Angriff so verknüpft hat, dass er nun plötzlich anders auf Hunde reagiert – meist Fight oder Flight. Also Angriff oder Flucht. Sollte das der Fall sein, würde ich dir sehr ans Herz legen, einen kompetenten Trainer an deine Seite zu nehmen. Dieses Verhalten wäre absolut legitim! Oft sind es nach einem Angriff auch ähnlich aussehende Hunde oder sogar die gleiche Rasse wie der damals angreifende Hund, auf die dein Hund plötzlich anders reagiert.

Stelle dir vor, du wirst von einem Mann mit Hut und Stock überfallen. Wie fühlst du dich nach dem Angriff, wenn du Männer mit Hut und Stock siehst? Entweder gehst du in den Fluchtreflex oder in Angriff über, wenn er dir zu nahekommt. Und genauso könnte es bei deinem Hund auch sein. Dein Hund hat es genauso zu verarbeiten, wie du auch. Gib ihm die Zeit!

Zwinge ihn nicht in Hundebegegnungen, wenn er das nicht möchte. Gehe Schritt für Schritt. Und solltest du dir unsicher sein oder nicht weiterkommen, dann scheue dich nicht Unterstützung anzunehmen.


ANGST VOR JEDEM SPAZIERGANG?

Ich möchte dir weder Panik machen, noch möchte ich, dass kleine Hunde bei jeder Hundebegegnung hochgenommen werden!!! Das ist nicht meine Intention.

Ich möchte, dass du achtsamer und aufmerksamer im Alltag bist, denn so kannst du situativ klüger entscheiden. Ich möchte das gegenseitiger Respekt zunimmt und die Menschen anfangen an sich zu arbeiten. Dazu gehört auch, die Körpersprache unserer Hunde verstehen und richtig deuten zu können.

Unsere Empfehlung:
2-Tages Seminar: „Hunde lesen lernen“


„WINDHUND BEISST SHIH TZU TOT“

Diese Schlagzeile ist auch noch keine 4 Wochen alt! Passiert ist der Vorfall im Bezirk Neunkirchen. Diesmal war es eine Leinenbegegnung, die dem 10-jährigen Shih Tzu Rüden zum Verhängnis wurde.

Unsere Leseempfehlung:
Die Leine – oft gehasst und völlig missverstanden

Auch hier war der Windhund bisher nicht verhaltensauffällig geworden und umso schlimmer ist, dass der Hund rechtlich „nur“ eine Sache ist und somit lediglich eine Sachbeschädigung vorliegt.

MIT MEHR SACHVERSTÄNDNIS WÄRE DAS NICHT PASSIERT

Die meisten Hundehalter sind leider, was die Körpersprache von Hunden betrifft, Analphabeten. Hört sich hart an, ist aber so. Hätten die Hundehalter die Hunde richtig lesen können bzw. hätten sich an die Empfehlung „Kein Sozialkontakt an kurzer Leine“ gehalten, wäre dieser Vorfall wahrscheinlich nicht passiert.

Viel zu viele Menschen lassen den Kontakt zu fremden Hunden viel zu sorglos und leichtsinnig zu. „Geh mal Hallo sagen“ ist einer der beliebtesten Sprüche, die mir regelmäßig einen dicken Hals und völliges Unverständnis bescheren.


EIGENVERANTWORTUNG HEISST DAS ZAUBERWORT

TO Do´s – Was kannst du selber tun?

  • Lerne, die Körpersprache deines und anderer Hunde zu lesen.
  • Lerne deinen eigenen Hund richtig einzuschätzen.
  • Erziehe deinen Hund und gebe ihm Führung (gilt für „Opfer“ wie auch „Täter“).
  • Bringe deinem Hund bei, Schutz direkt hinter dir zu suchen.
  • Akzeptiere eventuelle Sicherungsmaßnahmen wie den Maulkorb und scheue dich nicht ihn auch einzusetzen.
  • Dein Hund ist nie schuld! Bei Fehlverhalten deines Hundes bist du gefragt.
  • Lasse nicht jeden Sozialkontakt zu, sondern entscheide dich für qualitativ hochwertige Kontakte! Qualität vor Quantität! Deinem Hund reichen wenige gute Hundefreunde, er muss nicht mit jedem spielen und auch nicht jeden toll finden. Die meisten Hundekontakte sind leider aus unserer Erfahrung alles andere als qualitativ hochwertig. Aber dazu muss ich als Halter unterscheiden können, was ist Spiel und was ist kein Spiel.
  • Überlege dir Strategien, die du im Notfall einsetzen kannst.

Dieses wichtige und gleichzeitig für viele Menschen erschreckende Thema hat mehrere Komponenten und wirft viele Fragen auf.

Wie gehe ich als Besitzer von kleinen Hunden generell damit um, wenn ich freilaufende Hunde treffe? Woran erkenne ich, ob ich beruhigt Fremdkontakt zu lassen kann? Wie verhalte ich mich, wenn unangeleinte Hunde auf mich zukommen? Wie verhalte ich mich, wenn es zu einem Angriff gekommen ist?

Ein Angriff kommt oft unerwartet

Grundsätzlich habe ich alle meine Sinne, mein Wissen über Körpersprache und Aufmerksamkeit bei einem Spaziergang dabei, denn habe ich mein Umfeld im Auge, kann ich klüger und schneller entscheiden, wie wenn ich völlig überrascht werde.

Ich schaue zuerst einmal bei Sicht eines fremden Hundes ob dieser angeleint ist oder nicht. Läuft er ohne Leine und orientiert sich am Menschen, entspanne ich wieder etwas.

Läuft er allerdings ohne Leine und Orientierung und Hören ist gleich null, so bin ich auf Hab-Acht-Stellung. Kommt dieser Hund jetzt auf mich und meine Hunde zu, beobachte ich nicht nur seine Körperhaltung, sondern überlege mir, was ich als nächstes tue. Habe ich einen sozialverträglichen Hund, entscheide ich nochmal etwas anders, als wenn ich einen Hund an der Leine habe, der nicht sozialverträglichen ist.

Ist eine Flexi-Leine am Hund befestigt, mache ich auch ein Bogen und ruft der Halter eines der Sätze wie: „Meiner tut nix“, oder „Ist Ihr Hund ein Rüde oder Weibchen?“ oder ähnliches, werde ich auch definitiv keinen Kontakt zulassen.

Hundecoach Allgäu - Zusammen zum Ziel - lernen und miteinander arbeiten

Und nur weil der andere Hund vielleicht mit der Rute wackelt heißt das nicht, dass er in guten Absichten auf uns zu kommt!

Unsere Leseempfehlung:
OH wie toll, der Hund wedelt mit dem Schwanz, der freut sich aber..

Ein Merkmal für einen eventuellen Angriff des Hundes ist in manchen Fällen der Halter. Rennt er etwas panisch hinter seinem Hund her, so könnte das Risiko für eine unangenehme Konfrontation steigen.

Ich wechsel gegebenenfalls auch die Richtung oder laufe einen großen Bogen! Das ist nicht feige oder peinlich, sondern hat was mit Management und Verantwortung übernehmen zu tun.


Richtiges Verhalten, wenn ein Angriff droht

Kommt ein fremder Hund auf dich und deinen Hund zugelaufen und du erkennst aufgrund der gezeigten Körpersprache, dass es nicht in positivem ist, ist es dein Job nun aktiv zu werden und deinen Hund zu schützen. Keine Lösung ist es wegzurennen, hieraus könnte das Beutefangverhalten des anderen Hundes erst recht erwecken und euch in noch größere Probleme verwickeln. Habt immer im Kopf: „Nur Futter rennt“.

Nehme deinen Hund an kurzer Leine hinter dich, mache dich aufrecht und groß und nimm deine Arme hoch. Erhebst du dazu noch deine Stimme, wird das bereits die Mehrheit der Hunde etwas einschüchtern und stoppen und du kannst dich neu sortieren und entscheiden.

Hast du einen Schlüsselbund oder ähnliches griffbereit kannst du dieses auch nach dem Angreifer werfen. Hierdurch könnte der Hund sich zusätzlich erschrecken und den Rückzug antreten. Das ganze mag im ersten Moment etwas übertrieben wirken, kann aber im Notfall einen Angriff abwenden.

Sollte der andere Hund sich nicht sonderlich beeindruckt verhalten, ist eine weitere Möglichkeit der sogenannte PET CORRECTOR. Aus diesem kommt nur komprimierte Luft (kein Pfefferspray). Dieses ist sehr laut und setzt noch eins drauf.

Lässt sich der angreifende Hund selbst davon nicht beeindrucken, solltest du niemals selber körperlich werden. Deine Hände hast du immer oben und niemals auf Höhe des anderen Hundes.

Hast du einen kleinen Hund und du bist alleine mit ihm unterwegs, würde ich persönlich diesen hochnehmen und bestmöglich schützen. Es wird nun einige Leser geben, die sagen: Du spinnst doch! Dann bist du vielleicht das Opfer! Ja, kann sein aber ganz ehrlich? Das ist mir persönlich in diesem Moment dann ziemlich egal. Mein Verhalten muss allerdings trotzdem kontrolliert und durchdacht bleiben – also hochnehmen, kreischen und wegrennen ist der falsche Weg.

Mein kleiner Hund hat keine Chancen gegen einen größeren Hund, der es in Verletzungsabsicht ernst meint. Ich kann mich bis zu einem bestimmten Punkt körperlich wehren, mein kleiner Hund nicht!

Hast du einen flinken größeren Hund gebe ihm ggf. die Möglichkeit zu fliehen. Also Leine im Notfall loslassen. Denn nichts ist schlimmer, als dem eigenen Hund die Rückzugsmöglichkeit zu nehmen.  


Ernst oder doch nur Show?

Manchmal ist aber ein Angriff nicht mehr abzuwenden und nun musst du unbedingt einen kühlen Kopf und Ruhe bewahren. Durch genaues aufmerksames Beobachten kannst du nun sehen, ob es sich um einen Schaukampf oder um einen Ernstkampf mit der Absicht von Verletzung oder Tötung.

ERNSTKAMPF

Hinweise geben dir hier die Körperhaltungen, die du natürlich richtig verstehen und deuten musst! Ist der andere Hund steif, fixiert er deinen Hund, der Muskeltonus ist hoch, die Ohren und der gesamte Körper ist nach vorne gerichtet, das Nackenfell gesträubt (hohe Erregung) und wedelt er sogar noch ganz langsam mit der Rute (unterstreicht die Aggressivität), so kannst du eindeutig von aggressivem Potenzial ausgehen.

Bei einem ernsten Kampf wird der Angreifer keine Laute von sich geben. Auch der angegriffene Hund wird kaum bellen oder knurren, denn beide Hunde benötigen ihre gesamte Energie für die körperliche Auseinandersetzung.

SHOWKAMPF

Beim Showkampf sind beide Hunde oft sehr laut, bellen und knurren deutlich hörbar. Hier haben nun beide Hundehalter die besten Chancen, die Hunde schnell voneinander zu trennen.

Danke Danni für das Foto

Damit nicht einer von ihnen das „Gesicht“ verliert, ist es sinnvoll, beide Hunde entweder gleichzeitig abzurufen oder beide Halter ziehen sich in entgegengesetzte Richtungen zurück. Fehlt dieser „Rückhalt“, also die direkte Anwesenheit und Nähe von Frauchen oder Herrchen, bekommen viele Hunde „kalte“ Füße und beenden die Auseinandersetzung.


AUSEINANDERSETZEN STATT VERDRÄNGEN

Wird dein Hund von einem anderen Hund angegriffen, so ist das mehr als nur ein Schockmoment. Wie oben bereits geschrieben, ist es nicht nur auf körperlicher Ebene gefährlich, sondern auch emotional nur schwer zu ertragen – teilweise auch traumatisch über einen langen Zeitraum.  

Das Schwierigste in dieser Situation ist, sich nicht von den eigenen Gefühlen leiten zu lassen. Ich kann nur helfen, wenn mein Kopf klar bei Verstand ist. In Panik kann ich keine klugen und überlegten Entscheidungen treffen. Ja, das sagt sich so einfach… ich weiß, wovon ich spreche. Aber es hilft weder mir noch meinem Hund, wenn ich nicht zielgerichtet eingreifen kann.

Ich kann dir nur empfehlen, dass du dir die Möglichkeiten eines Angriffes und deine Optionen zum Helfen bewusst wirst. Wer diese Gefahr und Risiko verdrängt oder der Meinung ist „das passiert mir schon nicht“, der wird im Ernstfall völlig überfordert und unvorbereitet dastehen und sich nicht zu helfen wissen.

Es wird dir Sicherheit geben sich eine Strategie zu überlegen und auch alle Optionen durchzugehen, wie könnte ich wann und wo reagieren.

Zum Auseinandersetzen gehört auch, dass ich mir auf die Fahne schreibe nicht planlos einzugreifen! Du musst mit dem anderen Hundehalter klar kommunizieren und ihr müsst euch absprechen. Wer etwas vorhat, kommuniziert das auch bitte mit dem anderen Halter.


TO DO‘S IM ERNSTFALL?

Durchdachtes und planvolles Handeln ist das A und O. Egal ob es sich wirklich um einen ernsten Kampf handelt oder um einen Showkampf. Natürlich hilft es, wenn du dir vorher bereits Gedanken machst, wie du vorgehen könntest. Hat dein Gehirn einen Ernstfall schon einmal durchgespielt, wird dir das Eingreifen in so einem Panikmoment leichter fallen.

Folgende Möglichkeiten können bei der Trennung von Hunden helfen. Da es hier wirklich um den Ernstfall geht, sind die Optionen teilweise brutal und können dem Angreifer auch schaden. Deswegen musst du unbedingt überlegen, welche deiner Reaktionen auch der Situation angemessen sind.

Auf keinen Fall dürfen bei der Abwehr eines angreifenden Hundes gefährliche Waffen wie Messer, Elektroschocker oder auch Pfefferspray zum Einsatz kommen. Bei Pfefferspray ist immer die Gefahr, dass durch einen Windstoß auch du und dein Hund in Mitleidenschaft gezogen werden. Der PET Corrector wäre eine Alternative dazu.

  • Gemeinsames Aushebeln

Haben sich die Hunde im Kampf ineinander verbissen und beide Hundehalter sind anwesend, kann das Aushebeln helfen. Hierfür muss jeder Halter seinen eigenen Hund an den Hinterbeinen packen und festhalten. Direkt nach dem Packen der Hinterläufe werden die Hunde in einer schnellen Bewegung aufeinander zugedrückt und dann erst voneinander weggezogen.

Diese Vorwärtsbewegung ist wichtig, denn hierdurch können vielleicht die ineinander verbissenen Zähne im Fleisch etwas gelockert werden. Zieht man die Hunde einfach so auseinander, riskiert zusätzliche schwere Verletzungen.

Der Versuch des Aushebelns macht aber nur dann Sinn, wenn sich beide Hundehalter aufeinander und miteinander abgestimmt haben und ein zielgerichtetes Handeln möglich ist. Teamarbeit ist hier gefragt und ist ein Halter panisch und nicht ansprechbar wird dieser Versuch scheitern.  

  • Schläge und Tritte

Eine weitere Möglichkeit ist das Eintreten oder Schlagen des Besitzers auf seinen Hund. Allerdings sollte diese Variante nur bei kleineren Angreifern angewendet werden. Es ist jedoch größte Vorsicht geboten! Je größer der Hund, desto gefährlicher ist diese Maßnahme. Viele Hunde können diese Beteiligung des Menschen missverständen und umso erbitterter kämpfen. Auch wächst die Gefahr, dass der Hund seinen Halter angreift. Die ausgeschütteten Hormone sorgen dafür, dass die Schmerztoleranz des Angreifers sich erhöht.  

Wer also eine Trennung mit Schlägen oder Tritten versuchen möchte, sollte sich diesen Schritt vorher gründlich überlegen und nur dann bestenfalls einschreiten, wenn es sich um einen kleinen Angreifer handelt.

  • Dem Angreifer die Luft nehmen

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dem angreifenden Hund die Luft zu nehmen. Diese Variante erfordert ein gezieltes Vorgehen und etwas Muskelkraft, sorgt aber relativ schnell und effektiv den Angreifer außer Gefecht zu setzen.

Hat sich ein Hund verbissen, muss der Halter entweder versuchen an das Halsband zu kommen um es fest und kraftvoll zuzudrehen, damit sich die Luftröhre verengt und der Angreifer nicht mehr atmen kann. Dieses Einschreiten hilft natürlich nur dann, wenn ich diesen Würgegriff auch solange wie es nötig ist festhalten kann. Trägt der angreifende Hund kein Halsband, kann auch die Hundeleine oder ein Gürtel genommen werden, um ihm die Luft zu nehmen.

Die meisten Hunde lassen in dem Moment, wo sie nicht mehr atmen können, von ihrem Opfer ab. Auch nach dem Loslassen des Angreifers muss das Halsband oder die Leine dringlichst noch fest gehalten werden, um einen erneuten Angriff zu verhindern.  

Es hört sich schrecklich an, doch es könnte dir passieren, dass du bei besonders aggressiven Hunden, die sich auch nach dem Loslassen noch heftig bewegen, solange festhalten musst, bis der Hund bewusstlos wird.


Wie geht es jetzt weiter?

Wurde der Angreifer erfolgreich vom Opfer getrennt, muss der Angreifer sofort so gesichert werden, dass es zu keinem erneuten Angriff kommen kann.

Wichtig ist hier auch, dass auch der angegriffene Hund sofort gesichert werden sollte.

Keinesfalls darf sich einer der Halter vom Ort entfernen. Die Hunde direkt vor Ort nach Verletzungen zu untersuchen, ergibt meist wenig Sinn.

Die beste Lösung ist erst einmal der Austausch der Kontaktdaten. So kann sich jeder um seinen Hund kümmern und ggf. direkt in die Tierklinik oder zum nächsten Tierarzt fahren. Den Rest kann man dann in Ruhe besprechen, wenn die Hunde medizinisch versorgt sind.

Bitte fahrt auf jeden Fall zum Tierarzt, denn oft bleiben die Wunden unter dem Fell unentdeckt und das kann richtig gefährlich für deinen Hund werden, wenn sie die Wunde infiziert.

Hier ist es wichtig: bitte habt mindestens 2 Telefonnummern von Tierärzten oder Tierkliniken im Handy eingespeichert oder auf einer Karte im Geldbeutel. So könnt ihr in diesem hoch erregten Zustand schneller Hilfe holen bzw. Kontakt zum Arzt aufnehmen.  


Wer ist in der Haftung?
Wer bezahlt die Tierarztkosten?
Muss oder kann ich den Vorfall melden?

Alles wichtige Fragen, die mit diesem Thema in Zusammenhang stehen.

Grundsätzlich ist jeder Hundehalter für alles Schäden zur Haftung verpflichtet.

Bei Vorliegen einer Hundehaftpflichtversicherung wird jeder nicht „grob fahrlässiger“ (kann auch bei einigen Versicherungen mitversichert werden) oder nicht „vorsätzlich“ verursachter Schaden des Hundes bezahlt. Dieses bedeutet bei Beißvorfällen mit Hunden, dass jeder Hundehalter den Schaden bei dem anderen Hund zu zahlen hat. Dabei spielt es erst einmal keine entscheidende Rolle, ob es sich um freilaufende Hunde oder um angeleinte Hunde gehandelt hat.

Diese Schadenverteilung wird grundsätzlich bei Versicherungen angenommen. Es erfolgt normalerweise keine Bewertung von welchem Hund dieser Vorfall ausging.

Es könnte zu einer anderen Schadenaufteilung kommen, wenn die Hunde sehr unterschiedliche Größen haben oder das Verhalten eines Hundehalters den Schaden begünstigt haben könnte, z, B. freilaufenlassen eines Hundes gegenüber dem erkennbar angeleinten Hund.

Gerade bei unterschiedlichen Schäden versuchen beide Versicherungen eine hälftige Teilung des Schadens anzustreben (Tierarztkosten, OP-Kosten, Medikamente usw.), um eine strittige Auseinandersetzung zu vermeiden. Dann sollte der konkrete Einzelfall angeschaut werden, da einige Faktoren hier eine Rolle spielen: Beißt ein angeleinter Hund einen unangeleinten Hund? Waren beide Hunde nicht angeleint? Sind beide Hunde angeleint gewesen? Beißt ein nicht angeleinter Hund einen angeleinten Hund? Und zu guter Letzt: Hat ein großer Hund einen kleinen Hund gebissen?  

Du solltest dich deshalb nicht mit einer schnell erteilten generellen Ablehnung der Versicherungen zufriedengeben.


Muss oder kann ich den Vorfall melden?

Das kommt auf viele Faktoren an. Der Hauptfaktor wäre eine Prognose, ob dieses ein einmaliges Verhalten des Hundes war oder ob mit einer Wiederholung zur rechnen ist.

Kommt es zu tiefen, schwerwiegenden Verletzungen (www.derhund.de/beissgrade/) die das Leben eines Hundes gefährden oder sogar zum Tod führen, dann sehe ich es als Pflicht, dies zu melden.

Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn dieser Hund nochmal verletzt – egal ob einen anderen Hund oder sogar ein Kind. Ich persönlich würde es auch melden, wenn ich wüsste, dass es mit diesem Hund bereits Vorfälle gab. Melden könnt ihr das Ganze an eurem zuständigen Ordnungsamt.


Fazit:

Keiner wünscht sich einen solchen Angriff, doch es kann immer und überall passieren. Achte auf das was um dich herum passiert, bist du dir nicht sicher oder hast du ein mieses Bauchgefühl so schütze deinen Hund.

Überlege dir heute einmal, wie du in einer solchen Situation reagieren würdest – denk immer daran: Alles was du bereits schon einmal im Kopf durchgespielt hast – gibt dir etwas Sicherheit.

Und natürlich kannst du nicht alle Situationen planen! Du kannst aber dafür sorgen, dass dein Gehirn ein paar Inputs hat, die dir dann in einem Notfall wieder einfallen.

Hast du Fragen? Unsicherheiten? Werde sie los und stelle sie uns!

Danke, dass du den Artikel bis zum Ende gelesen hast. Wir freuen uns immer, wenn wir Feedback zu unseren Artikel erhalten – sei es durch ein Teilen des Beitrages oder eure Kommentare.

Lust weiterzulesen?

Über die Autorin
Saskia Katharina Siebel



Ich bin leidenschaftliche Hunde- und Menschentrainerin und eine absolute Herzensangelegenheit ist die Tierfotografie.

Seit nun 2 Jahren schreibe ich regelmäßig Blogartikel (die es manchmal auch in sich haben) und trotzdem ist das Feedback von euch darauf großartig. Viele von euch nehmen sich meine Worte zu Herzen und viele von euch fangen an sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Somit hab ich mein Ziel erreicht 🙂

Ich wünsche mir ein friedvolles, faires und stressfreies Miteinander für jedes Mensch-Hund-Team. Dazu gehört aber mehr als nur Gassigehen und dem Hund Signale beibringen.

Das Wichtigste ist:

Arbeite an dir und lasse dich auf deinen Hund ein. Lerne deinen Hund zu verstehen. Lerne deinen Hund zu lesen. Sei mit Verstand und Herz dabei!

Das Ergebnis wird dich staunen lassen!

Kommentar schreiben

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen