“Böse Hunde-Mama” – ohne Ahnung oder nur achtsam und verantwortungsvoll?

“Böse Hunde-Mama” – ohne Ahnung oder nur achtsam und verantwortungsvoll?

Alle Hunde sind doch sehr soziale Wesen und sie freuen sich jeden Tag aufs Neue, fremde Artgenossen zu treffen und können es nicht abwarten, sich endlich zu beschnüffeln. Nach dem “Hallo” sagen beginnt dann auch das tolle gemeinsame Spielen. Hunde brauchen auch ganz viele verschiedene Hunde zum Spielen, damit sie gut mit allen klar kommen…

Das ist leider nur die optimale Vorstellung in den Köpfen der Menschen, wenn es um Hundebegegnungen geht. Doch meistens sieht die Realität deutlich anders aus …. Hier ein kleines Beispiel:


Corona-Hunde und seine Auswirkungen

Seit nun 3 Monaten haben wir hier in Bayern komplettes Arbeitsverbot.

Dieses Arbeitsverbot hat bereits jetzt stark sichtbare aber auch noch viele unvorhersehbare negative Auswirkungen auf das Verhalten und die Entwicklung der Hunde!

Wir schulen außerdem die Halter! Vielen Haltern ist nicht bewusst, worauf sie achten sollten bzw. warum ihr Hund erzogen werden sollte, damit ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft möglich ist. Und dazu gehört auch der respektvolle Umgang mit anderen Hundehaltern!

Unerzogene Hunde sind früher und später eine Gefahr für die gesamte Umwelt!

– Der Labrador, der einem fremden Kind die Semmel klaut.
– Der Hütehund, der in die Beine zwickt und Fahrräder jagt.
– Der Auslandshund der vor Angst vor ein Auto läuft.
– Der Mischling, der die Oma anspringt und sich den Oberschenkelhals bricht.
– Der Jagdhund, der unkontrolliert Jagen geht.
– Der Schutzhund, der sein Gelände verteidigt.
– Der “nette” Retriever, der andere Hunde ungefragt belästigt.
– Der Westhighland-Terrier, der Jogger angreift.

Ebenso gibt es immer mehr Hundehalter die meinen, ihr Fiffi an der Leine (oder eben leider meist ohne Leine) braucht größtmögliche Freiheit, ohne Rücksicht auf Verluste. Diese Halter gab es schon immer und wird es auch immer geben und viele dieser Menschen haben und werden auch nie daran denken, eine Hundeschule zu besuchen.

Aber was ist mit den ganzen Haltern, die gerne eine Hundeschule besuchen würden? Die, die dachten: ach das krieg ich schon hin, aber es jetzt doch nicht hinkriegen und so fair und ehrlich sind und Hilfe suchen?

Jede Runde mit meinen Jungs ist ein Spießrutenlauf – auf der “Flucht” von unerzogenen Hunden, deren Besitzer keinen Plan von gar nichts haben. Und wenn ich meine keinen Plan, dann meine ich das so. Körpersprache? Ein Buch mit 7 Siegeln. Respekt der Umwelt gegenüber? Noch nie gehört. Rückruftraining? Warum, “meiner tut nix, der will nur spielen” schreien reicht doch völlig aus.

Meine Leseempfehlung für dich:
Was ist nur mit den Menschen los…

Es macht echt keinen Spaß mehr. Nochmal auf DEUTSCH: Kommt dein Hund auf einen Rückruf nicht zurück, hat er an der Leine zu bleiben! Meine (und auch viele andere Hunde) wollen nicht einfach mal Hallo sagen und das “die klären das unter sich” ist der größte Schwachsinn den ich kenne!


Unsere Hunde brauchen nicht viele Hunde zum “Spielen”, sondern nur die Richtigen

Daher sind meine Hunde echt arme “Schweine” und ich sollte laut Aussagen von einigen Menschen mal eine Hundeschule besuchen oder noch besser, mich in einem Hundeverein anmelden.

Denn wie kann man so wenig Ahnung haben, dass meine Hunde fremden Hunden nicht HALLO sagen dürfen und noch schlimmer – sie dürfen nicht mit fremden Hunden spielen!

Meine Leseempfehlung:
Die Leine – oft gehasst und völlig missverstanden

Ich bin also oft kein beliebter Hundehalter, aber damit kann ich gut leben. Es geht hier um meine Hunde und nicht um mich! Und meine Hunde brauchen keinen fremden Hundekontakt und würden diesen auch nie von sich aus suchen! Jeder der beiden hat seine Kumpels, mit denen kann man auch mal rennen und toben oder auch einfach mal nebeneinander her laufen, ohne dass sie sich gegenseitig belästigen.


Warum dürfen meine Hunde nicht mit fremden Hunden “spielen” oder mal “Hallo sagen” gehen?

Es gibt kein Spiel unter fremden Hunden

Der erste und wichtigste Grund ist: kennen sich die Hunde nicht, spielen sie auch nicht miteinander! An dieser Tatsache gibt es auch nichts zu diskutieren! Hört sich böse an, ist aber so: solltest du der Meinung sein, dass dein Hund mit fremden Hunden ach so schön spielt, würde ich dir ganz dringend eine gute Hundeschule empfehlen 😉

Wer sieht hier ein stressfreies Miteinander?

Die Hunde müssen in diesen Momenten Konflikte bewältigen, aushalten und im besten Fall können sie sie lösen und managen. Diese Konflikte würden überhaupt nicht entstehen, wenn ihre Halter nicht auf Biegen und Brechen auf fremden Hunde-Kontakt aus wären.

Umarmst du jeden Fremden auf der Straße und fragst, wie es gerade so mit den Hormonen läuft? Findest du es schön, wenn dir fremde Menschen auf die Pelle rücken und dich ungefragt belästigen? Nein?

Meine Hunde mögen es definitiv nicht!

Hunde haben eine Individualdistanz, die bei dem einen größer und bei dem anderen geringer ist. Wenn sie könnten, würden sie weiträumig ausweichen oder einen Bogen laufen, doch dieses natürliche Verhalten wird meistens schon im jungen Alter der Hunde von uns Menschen “versaut”…

Meist entsteht daraus dann, wenn die Hunde älter werden, die sogenannte Leinenaggression, da sie es nicht aushalten nicht mehr zu jedem Hund “Hallo” sagen zu dürfen.


Konfliktmanagement

Lässt sich ein Kontakt mit einem fremden Hund nicht vermeiden, hat dein Hund vier verschiedene Möglichkeiten den Konflikt zu lösen:

FIGHT (Kampf) – FLIGHT (Flucht) – FREEZE (Erstarren) – FIDDLE ABOUT (rumalbern).

Die meisten Hunde haben im Welpenalter gelernt, dass die ersten drei Verhaltensvarianten nicht wirklich zu einer Lösung beitragen, wenn sie in den direkten Kontakt mit fremden Hunden gezwungen werden. So bevorzugen sehr viele Hunde vorerst das FIDDLE ABOUT um Begegnungskonflikte zu lösen.

Der Halter quietscht vergnügt, wenn er eine Spielaufforderung (Vorderkörpertiefstellung) sieht und freut sich, dass sein Hund nur spielen möchte. Doch so schnell kann man meist gar nicht schauen, wie sich das Herumgespringe plötzlich verändert. Meist bleibt es bei einem “Jäger” und einem “Gejagten”. Ausgewogen ist das nicht und ein Rollentausch kommt selten vor.

Oft sieht man dann ein FREEZE von dem “Gejagten” und hier spielen beide Hunde dann eine große Rolle, ob das Ganze kippt oder nicht.

Das alles ist kein Spiel, sondern pures Konfliktmanagement und Stressabbau.

Kennen sich die Hunde schon länger, kann es wie im folgenden Video aussehen. Es ist ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe und jeder Hund hat qualitativ auch etwas davon:

Doch leider nehmen unsoziale und unerzogene Hunde einen immer größeren Raum ein und somit sind wir bei einem weiteren Grund warum meine Hunde nicht zu fremden Hunden dürfen und warum wir auch unseren Kunden empfehlen, ihre Hunde nicht unüberlegt mit fremden Hunden in den Kontakt zu lassen:

Der Angriff …

Aus wieder einmal einem traurigen Anlass, ist dieses Thema so aktuell wie nie. Ein Kundenhund – introvertirter Labrador – wird Anfang Februar 2021 von einem fremden Hund schwer am Gehörgang und Ohr mit Beschädigungsabsicht verletzt. Dieser Hund leidet körperlich und seelisch. Von der Besitzerin gar nicht zu sprechen …

Meine Leseempfehlung für dich:
Was ist nur mit den Menschen los…

Es kann jahrelang gut gehen, doch wenn es zu einem Angriff von anderen Hunden kommt, haben vorallem kleine Hunde immer einen Nachteil. Sie haben bei Angriffen von größeren Hunden meistens geringere Chancen und ziehen oft den Kürzeren.

Ich musste selber mit erleben, wie mein kleiner Jamaro dreimal das Opfer von größeren Hunden wurde und diese Erfahrung wünsche ich keinem Hundehalter. Ich konnte ihn damals nie beschützen, da ich zu blauäugig, zu gutgläubig und damals noch nicht übervorsichtig war. Leider.

Hundeschule Allgäu - Vorbereitung - Training - Miteinander arbeiten

Aber wer rechnet schon damit, das andere Menschen ihre Hunde ohne Maulkorb und Führung laufen lassen, obwohl sie vielleicht wissen, dass ihr Hund ein Thema mit anderen Hunden hat.

Meine Leseempfehlung für dich:
Schockzustand – Angriff eines anderen Hundes


Meine Jungs

Ist jetzt klar, warum meine Hunde keinen Kontakt zu fremden Hunden haben? Es erklärt sich hoffentlich jetzt von selbst.

Qualität steht immer vor Quantität! Meine Hunde haben übrigens regelmäßig Kontakt mit anderen Hunden, mit ihren Kumpels. Man trifft sich regelmäßig, die Hunde kennen und mögen sich, ja und in diesem entspannten Rahmen kann dann auch einmal ein kurzes Spiel entstehen. Ohne Stress, ohne Konfliktbewältigung. Also wer hat nun die armen Hunde an der Leine?

So sieht unter anderem auch ein schönes Spiel aus.
Oder auch so. Ein Geben und Nehmen.

Meine Empfehlung:
Körpersprachen-Seminar


Keinen Wert auf neue Bekanntschaften legen

Nicht jeder Hund findet seine Artgenossen so toll und es gibt Hunde, die mögen keine fremden Hunde und sie legen auch kein Wert darauf, neue Bekanntschaften zu schließen! Ich habe auch zwei dieser Exemplare. Sie freuen sich alte Kumpels zu treffen, doch NEUE braucht es nicht!


Rücksichtnahme – Das A und O!

Es gibt sicher noch viele weitere Gründe, warum Hunde sich weder kennenlernen noch zusammen spielen müssen. Aber allein diese reichen schon aus.

Ich appelliere deswegen an die Werte wie Toleranz, Respekt und Rücksichtnahme! Wir Hundehalter wünschen uns in so vielen Dingen die Toleranz von anderen, aber warum können wir sie unseresgleichen nicht auch entgegenbringen? Toleranz heißt im Übrigen auch, ein Nein zu Hundebegegnungen zu akzeptieren, ohne super schlaue Meinungen dazu abzugeben.

Vielen Dank, dass du meinen Artikel bis zum Schluss gelesen hast.
Ich freue mich sehr auf jegliches Feedback, über deine Meinungen und Gedanken und freue mich wenn du den Artikel weiter teilst.

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Über die Autorin
Saskia Katharina Siebel

Ich bin leidenschaftliche Hunde- und Menschentrainerin und eine absolute Herzensangelegenheit ist die Tierfotografie.

Seit einigen Jahren schreibe ich regelmäßig Blogartikel (die es manchmal auch in sich haben) und trotzdem ist das Feedback von euch darauf großartig. Viele von euch nehmen sich meine Worte zu Herzen und viele von euch fangen an sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Somit hab ich mein Ziel erreicht 🙂

Ich wünsche mir ein friedvolles, faires und stressfreies Miteinander für jedes Mensch-Hund-Team. Dazu gehört aber mehr als nur Gassigehen und dem Hund Signale beibringen.

Das Wichtigste ist:

Arbeite an dir und lasse dich auf deinen Hund ein. Lerne deinen Hund zu verstehen. Lerne deinen Hund zu lesen. Sei mit Verstand und Herz dabei!

Das Ergebnis wird dich staunen lassen!

Über die Autorin Saskia Katharina Siebel


Ich bin leidenschaftliche Hunde- und Menschentrainerin und eine absolute Herzensangelegenheit ist die Tierfotografie.

Seit einigen Jahren schreibe ich regelmäßig Blogartikel (die es manchmal auch in sich haben) und trotzdem ist das Feedback von euch darauf großartig. Viele von euch nehmen sich meine Worte zu Herzen und viele von euch fangen an sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Somit hab ich mein Ziel erreicht 🙂

Ich wünsche mir ein friedvolles, faires und stressfreies Miteinander für jedes Mensch-Hund-Team. Dazu gehört aber mehr als nur Gassigehen und dem Hund Signale beibringen.

Das Wichtigste ist:

Arbeite an dir und lasse dich auf deinen Hund ein. Lerne deinen Hund zu verstehen. Lerne deinen Hund zu lesen. Sei mit Verstand und Herz dabei!

Das Ergebnis wird dich staunen lassen!

2 Kommentare

  • Alexa gepostet 9. März 2021 22:04

    Vollkommen richtiger Blog! Danke Saskia! Mit Deinen Infos, hilfst du mit “falschem Verständnis” im tagtäglichen Umgang aufzuräumen!

    • saskiakatharina gepostet 10. März 2021 10:06

      Vielen Dank für dein Feedback!

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