Was ist nur mit den Menschen los …

Was ist nur mit den Menschen los …

Es ist Sonntag, die Sonne scheint und es könnte so entspannend sein, stattdessen könnte ich vor Wut über soviel Respektlosigkeit, Naivität und Verantwortungslosigkeit nur “kotzen”.


Situation 1:

Wolfgang, unsere Jungs und ich sind noch keine 3 Minuten vom Parkplatz entfernt auf einem Weg (unsere Hunde natürlich noch angeleint), als wir schon aus der Ferne einen Hund sehen, die vermeintliche Besitzerin ganz weit hinten. Wir mit unseren Beiden angeleinten in die Wiese, abwartend.

Und dann kommt das, was meist immer passiert: Der Hund sieht uns und kommt in vollem Galopp auf uns zugerannt. Ich schreie der Besitzerin entgegen, sie soll ihren Hund verdammt nochmal zu sich rufen. Passierte natürlich nichts. Nicht mal ein Versuch, den Hund zu rufen. In einer Seelenruhe kam sie auf uns zugeschlendert. Der Hund, größer wie Spyck, hatte ein wundervolles Sicherheitsgeschirr an.

Warum zum Teufel habe ich ein Sicherheitsgeschirr an meinem Hund und keine Leine dran, wenn ich schon weiß, dass er nicht hört?????

Jedenfalls hatte Wolfgang alle Hände voll zu tun, den Hund auf Abstand zu halten. Spyck ist auch schon körpersprachlich unfreundlich geworden, den „Tut NIX“ hat das nicht interessiert. Die Dame war mittlerweile in der Distanz, wo ich vielleicht nicht mehr brüllen hätte müssen, aber ich habe es trotzdem getan, sie soll jetzt endlich ihren Hund anleinen. „Isse nix schlimm, Isse nix schlimm“ – Äh doch verdammt nochmal schon und das hat nichts mit der Staatsangehörigkeit der Dame zu tun.

Was soll der Scheiß? Sie hat es bis zum Schluss nicht geschafft ihren Hund zu sich zu rufen, geschweige denn ihn anleinen zu können. Bagira (frisch operiert im Maul, 3 x am Tag 1000 Novalgin Zäpfchen plus 3 x am Tag Antibiotika) war wirklich sehr brav und hat sich zwar drohend hinter mich positioniert, konnte seine Erregungen aber kontrollieren. Doch wäre ich heute wie meistens ohne Wolfgang mit beiden unterwegs gewesen wäre das so richtig “lustig” geworden (Ironie aus).

OK. Situation überstanden, durchatmen, weiter geht’s.

Situation 2:

Keine 5 Minuten später sehen wir auf dem Weg uns entgegenkommend eine Frau, deren Hund zu diesem Zeitpunkt ca. 10 Meter hinter ihr lief. Unsere Hunde wieder angeleint und auf die Seite gegangen, abwartend. Ok, dachte ich. Sieht schonmal besser aus als vor 5 Minuten, könnte ja mal was werden. Also könnte was werden so im Sinne von: Ich sehe da kommt jemand mit angeleinten Hunden und sie gehen sogar an die Seite. Ja dann nehme ich doch meinen Hund vielleicht auch zu mir.

Ja von wegen! Der Labrador sieht uns, schießt an der Dame vorbei und bleibt ca. nach 15 Metern wieder stehen. Mir war sowas von klar was jetzt passiert. Diese Dame hat es wenigstens den Versuch gestartet ihren Hund zu rufen. Der Hund drehte sich einmal um, als er sah, dass sie mit der Leine auf ihn zuläuft, lief er natürlich weiter. Da waren wir aber noch ca. 50 Meter entfernt!

So, dann kam das was kommen musste. Dieser Labrador (auch ein tolles Sicherheitsgeschirr besitzend) schoss wieder im vollen Galopp auf uns zu. Spyck hatte ihm dann schon deutlich zu spüren gegeben, dass er unerwünscht ist, hat ihn aber nicht interessiert. Die Dame auch nicht.

Ich war so sauer, dass ich wieder brüllte, sie soll jetzt verdammt noch mal schauen, dass sie ihren Hund einfängt. Es ist natürlich nix passiert. Er war von Spycks kurzem Scheinangriff und Wolfgangs Versuchen ihn wirklich nicht nett wegzuschicken nicht beeindruckt und wandte sich jetzt lustig an Bagira.

Das einzige was in diesem Moment den Hund etwas beeindruckte war mein eingesetzter Pet-Correktor (kompressierte Luft – Kein Pfefferspray o.ä.). So konnte ich ihn wenigstens etwas auf Abstand halten. Ich ging mit Bagira weiter und schrie der Dame nochmals zu, dass wenn ihr Hund nicht hört, dass wohl eine Schleppleine nicht schlecht wäre. Sie murmelte nur: Ich hab den Hund noch nicht so lange. Bitte was, hat sie da gesagt? Wir kochten beide vor Wut und sind echt ausgerastet. Wer uns kennt weiß, dass wir wirklich eine hohe Frustrationstoleranz haben, aber da war der Bogen echt überspannt.

Respekt – Ein Fremdwort

Was ist mit den Menschen los???? Verantwortungsvolle, mitdenkende und vorausschauend haltende Hundebesitzer sind hier natürlich nicht gemeint!!!!

Dass viele Menschen keine gute Kinderstube genossen haben ist eh klar. Erlebt man tagtäglich im Straßenverkehr, beim Einkaufen etc. Und diese zwei Situationen sind keine Ausnahmen und stehen nur stellvertretend für das, was sich die letzten Jahre immer mehr ins Negative verändert und immer schlimmer wird.

Es wundert mich auch überhaupt nicht mehr, dass es so viele Spaziergänger, Fahrradfahrer, vernünftige und verantwortungsvolle Hundebesitzer, Reiter etc. gibt, die sich maßlos und berechtigt über Hundehalter aufregen und dieses respektlose Verhalten dazu führt, dass wir Hundehalter in einem weniger positiven Licht stehen.

In meinem letzten Blogartikel ging es um die unperfekten Trainerhunde. Unsere Hunde sind nicht perfekt, weil sie Hunde sind und die Hunde sind hier überhaupt nicht das Problem (für das distanzlose Verhalten und die verlorene Fähigkeit Körpersprache lesen zu können, können die Hunde auch nichts). Diese Menschen sind das Problem: verantwortungslos, respektlos, unwissend und naiv.

Gefühlt sehe ich nur noch arme Kreaturen, die völlig auf sich alleine gestellt, getrennt mit dem Menschen Gassi gehen dürfen. Alleine das schon ist traurig. Doch dieses unterirdische Verhalten der Menschen geht einfach nicht und sorgt nur für Ärger, Stress und Konflikte.

Passend zu diesem Thema wird mein nächster Artikel heißen: “Mein Hund ist eine arme Sau”…” Er darf nicht mit fremden Hunden “spielen”.

Höflichkeitsregeln

Jeder Kunde von uns lernt folgendes:

  • Ist mein Hund nicht abrufbar, befindet er sich an einer Leine (Schleppleine)
  • Kommt mir ein Mensch mit Hund entgegen, sichere ich meinen Hund und gehe auf die Seite. Eine mögliche Kontaktaufnahme kann dann gerne zuvor erfragt werden.
  • Kommen Spaziergänger von vorne oder von hinten, sichere ich meinen Hund, gehe auf die Seite und sorge dafür, dass mein Hund niemanden belästigen kann. Gleiches gilt für Reiter oder Menschen mit Kindern.
  • Kommen Fahrradfahrer auf uns zu geschieht das Gleiche. Da ich hinten keine Augen habe und viele Fahrräder und auch E-bikes oft sehr leise sind, sollte natürlich rechtzeitig geklingelt werden, auch dann hole ich meinen Hund zu mir. Hier gilt respektvolles Verhalten auf beiden Seiten!!!
  • Hinterlassenschaften meiner Hunde werden immer aufgesammelt und bis zum nächsten Mülleimer mitgenommen.

Sind diese paar Verhaltensregeln so schwierig? Leute, wie habt ihr bis heute überlebt?

Aber beim Hund geht ja alles. Man kauft sich einfach einen (Ich kaufe mir mal eben einen Hund…), ohne Beratung oder sich davor Gedanken gemacht zu haben, ob ich bereit dazu bin einiges finanziell, zeitlich und erziehungstechnisch auf mich zu nehmen.

Ist eine neue Anschaffung wie TV, PC oder Kühlschrank geplant, vergleicht man natürlich schon ausgiebig und lässt sich beraten weil es soll ja schon für meine Ansprüche dann perfekt sein. Aber ein Hund, den kauft man sich eben mal so …

Halter schulen – bis es auch der letzte Verstanden hat

Wisst ihr jetzt, warum wir so dahinter her sind, dass der Hundeführerschein endlich bundesweit Pflicht wird? Jeder Hinz und Kunz kann sich einen Hund kaufen und das Ergebnis der Schlagzeilen sieht man in der jetzigen Zeit so extrem wie nie zuvor. Gibt man in Google „Hund beißt“ ein, erscheinen x Schlagzeilen:

„12 Tage alten Baby stirbt – Chow Chow Teddy beißt den kleinen Elon tot“

Hüttenwirte verzweifeln an Alm-Touristen: Hund beißt beliebten „Hasi“ grausam tot

„Halsschlagader knapp verfehlt – Hund beißt junge Frau ins Gesicht“,

„Sie wollten nur helfen: Hund beißt zwei Personen“,

„Jagdhund beißt Mädchen in Plauen“,

„Hund beißt Malteser tot“,

„Hund verletzt Besitzer folgenschwer“.

So könnte ich glaub noch ziemlich lange weiterschreiben. Erschreckend oder?

Ja, das waren bestimmt alles nur „Listenhunde“. Ja ne leider nein. Von Labrador bis Schäferhund war da alles dabei. Und genau diese Thematik hat sehr viel mit meinen „Problemchen“ und meinem Wut-Anfall von heute morgen zu tun.

Erziehung – ein weiteres Fremdwort

Die Menschen sind sich nicht im Klaren, welche Auswirkungen genau solche Verhaltensweisen haben können. Jeder Hund hat Potenzial. Es ist ein Hund! Jeder Hund möchte durch sein Leben geführt werden, muss Regeln und Grenzen kennen lernen. Auf Deutsch: Er muss/möchte erzogen werden.

Was muss passieren, dass das in die Köpfe der Menschheit geht?

Das Drama fängt schon bei den frisch eingezogenen Welpen an. Kommen sie aus einer guten Kinderstube, sprich gutem Züchter, zeigen die Welpen normales Verhalten, was mit Hilfe einer guten Hundeschule und verantwortungsvollen Menschen in die richtigen Bahnen gelenkt werden kann.

Doch genau hier liegt das Problem, nein Probleme. Die meisten Hunde sind schon „schwierig und verhaltensauffällig“, wenn sie mit 8 Wochen bei der neuen Familie ankommen. Also lief die letzten Wochen schon was verkehrt, worauf ich heute nicht weiter eingehen werde. Das nächste Problem ist dann, dass viele Menschen keine Grenzen und Regeln setzen können und somit nicht fähig sind den Hund fair und gut zu erziehen.

Balsam für meine Seele

Ist schon sehr traurig und mehr als erschreckend, dass man mich die letzten zwei Wochen 3 mal angesprochen hat und über den Klee gelobt hat, was ich doch für zwei große wohlerzogene Hunde habe und dass mein Verhalten sehr respektvoll ist.

Das sollte doch eigentlich normal sein oder? Ist es aber alles andere als das!

Egal ob die Reiterin, die Fahrradfahrer oder der Fußgänger: Allen ist schon lange kein respektvolles Verhalten entgegen gebracht worden. O-Ton: Das ist uns wirklich schon lange nicht mehr passiert, dass uns ein Hund nicht in irgendeiner Form belästigt hat.

Danke, dass du den Artikel bis zum Ende gelesen hast. Ich freue mich immer, wenn ich Feedback zu meinen Artikeln erhalte – sei es durch ein Teilen des Beitrages oder eure Kommentare.

Über die Autorin
Saskia Katharina Siebel



Ich bin leidenschaftliche Hunde- und Menschentrainerin und eine absolute Herzensangelegenheit ist die Tierfotografie.

Seit nun 3 Jahren schreibe ich regelmäßig Blogartikel (die es manchmal auch in sich haben) und trotzdem ist das Feedback von euch darauf großartig. Viele von euch nehmen sich meine Worte zu Herzen und viele von euch fangen an sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Somit hab ich mein Ziel erreicht 🙂

Ich wünsche mir ein friedvolles, faires und stressfreies Miteinander für jedes Mensch-Hund-Team. Dazu gehört aber mehr als nur Gassigehen und dem Hund Signale beibringen.

Das Wichtigste ist:

Arbeite an dir und lasse dich auf deinen Hund ein. Lerne deinen Hund zu verstehen. Lerne deinen Hund zu lesen. Sei mit Verstand und Herz dabei!

Das Ergebnis wird dich staunen lassen!

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