So macht Gassi gehen (wieder) Freude und Spaß

So macht Gassi gehen (wieder) Freude und Spaß

Leider dürfen viele Hunde “nur” Gassi gehen – ohne Ansprache, ohne Abwechslung, ohne Förderung ihrer Qualitäten, ohne gemeinsames ERLEBEN.

Frische Luft, Bewegung, Auszeiten nehmen und Quality Time mit dem liebsten Hund sollten doch eigentlich ein Geschenk und eine Freude sein!? Für beide!

Mir begegnen täglich immer mehr Menschen, die den Eindruck erwecken, als wäre der Spaziergang mit ihrem Hund eine lästige Pflicht. Viele haben ihr Handy in der Hand, gehen mit vielen Menschen gleichzeitig spazieren, haben Kinder dabei, auf die sie selbstverständlich aufpassen müssen und der Hund ist meist auf sich alleine gestellt. Im besten Fall trottet er lustlos neben her, im schlechtesten Fall geht er jagen oder rennt ungefragt zu anderen Menschen oder Hunden hin.

Für mich ist das nur schwer nachzuvollziehen. Es ist doch so toll, sein Leben mit seinen Hunden zu teilen und die gemeinsame Zeit qualitativ hochwertig nutzen zu dürfen!


Willst du mit mir gehen?

Wir fühlen uns selbstverständlich nicht immer gleich und manchmal hat man auch einen “Scheißtag”, wo alles schief läuft, doch spätestens, wenn ich an so einem Tag nach Hause komme und meine Hunde mir entgegen laufen, ist die Stimmung sofort besser.

Wenn ich dann zu unserer Quality-Time-Runde aufbreche, heißt es für mich: Spaß und Zeit mit meinen Jungs verbringen zu dürfen!


Zu viel oder zu wenig?

Selbstverständlich benötigen die Hunde keine Dauerbespaßung und haben auch gegen eine gelegentliche „langweilige“ Runde auch nichts einzuwenden. Doch im Großen und Ganzen ist es absolut wichtig eine gemeinsame Beschäftigung und auch Abwechslung in euren Spaziergang einzubauen – auch um die Bindung zwischen dir und deinem Hund zu stärken.

Dein Hund ist ein sensibles Tier, der sofort merkt, ob du anwesend und bei der Sache bist oder nicht. Schenke daher deinem Hund Aufmerksamkeit und interagiere mit ihm und du wirst merken, dass sich so einiges verändern wird.  

Meine Leseempfehlung:
Ideen für deinen Spaziergang – PLATZ und STEH


Hier sind einige Tipps für dich:

  • Gehe nicht immer die gleiche Strecke oder starte deine Runde einmal in die umgekehrte Richtung. Erkundet gemeinsam neue Welten. Meist sind die Hunde dort auch aufmerksamer und haben so wieder mehr Spaß Neues zu erleben
  • Baue Trainingseinheiten in den Spaziergang mit ein
  • Nehme auf jeden Fall Futter für die Belohnungen und Futtersuchspiele mit
  • Hat dein Hund ein Lieblingsspielzeug, was er gerne apportiert oder mit dir zusammen gerne spielt, dann nehme auch das mit
  • Wiederhole grundlegende Basis-Übungen oder bringe deinem Hund etwas Neues bei
  • Biete deinem Hund immer wieder Beschäftigung an. Sei dabei kreativ und schau hin, was die Natur für dich bereithält. Baumstämme, Bäche, Bänke, Mauern …Hier sorgst du nicht nur für Abwechslung, sondern kannst auch ganz toll Balance- und Koordinationsübungen für die Gesundheit deines Hundes einbauen
  • Zeige deinem Hund, dass ein Spaziergang nicht langweilig ist und das du tolle interessante Dinge mit ihm machst
  • Gebe deinem Hund die Chance mit dir zusammen die Zeit zu verbringen und nicht nebeneinander oder meist hintereinander.

In diesem Video zeige ich dir einige Varianten und Möglichkeiten, um mit deinem Hund oder deinen Hunden zu arbeiten:


Hundefreunde treffen

Zu Zweit oder in der Gruppe ist es meistens lustiger und man kann das auch gut zum Üben von verschiedenen Dingen hernehmen. Daher spricht auch nichts dagegen gemeinsame Spaziergänge zu machen – sofern die Hunde sich „riechen“ können und auch gut miteinander umgehen. Ein ständiges Niederrennen oder auch einseitige Handlungen eines Hundes sollten selbstverständlich unterbunden werden.

Trefft euch mit Menschen und ihren Hunden, die euch beiden gut tun. Jetzt zu Corona-Zeiten natürlich bitte nur mit einem weiteren Hausstand.


Zeit mit Bagira und Spyck

Bei uns sind die Uhrzeiten für unsere gemeinsame Aktion jeden Tag unterschiedlich. Das hat den Vorteil, dass der Hund keine innere Uhr entwickeln kann und somit flexibler ist. Bei Hunden die eine feste Struktur brauchen kann das eher kontraproduktiv sein, muss aber im Einzelfall entschieden werden.

Spyck sieht, dass ich mich fertig mache und Halsband und Leine hole und ist positiv leicht erregt und sagt körpersprachlich: „Ich bin bereit, was machen wir heute“ ohne komplett überdreht zu sein. Bagira hingegen ist da ganz anders, vor allem wenn es Winter ist und kalt oder regnet. Dann ist er der Meinung: „Gassigehen? Nö, geh du mal alleine, die Couch ist grad ganz bequem“. Natürlich muss er dann trotzdem mit und sind wir dann mal unterwegs, lockert sich meist auch seine Stimmung 😉 außer es regnet stark, dann kann ich tun und machen was ich will. Spaziergehen ist dann gar nicht sein Ding.

Bagira findet Spazierengehen so ganz ohne Abwechslung oder Trainingseinheiten total überflüssig. Er trottet dann mit gesenktem Kopf mit, ohne einmal die Nase auf dem Boden zu haben, aber nur weil es sein muss.

Spyck hingegen könnte auch ganz gut ohne mich klar kommen 😉 allerdings würde ihm dann ganz viel Blödsinn einfallen, den ich bestimmt nicht mag. Spuren hinterherjagen, sich in Fuchskot wälzen, Rehmist fressen oder auch einem Fischreiher hinterherjagen. Und je älter, dementer und starrsinniger er wird, desto schlimmer wird sein Verhalten. Alleine schon deswegen ist es mir so unglaublich wichtig, die Spaziergänge für meine Hunde so zu gestalten, dass sie aus Langeweile auf keine blöden Ideen kommen.

Jeder Spaziergang beinhaltet die Basics: Leinenführigkeit, Führigkeit ohne Leine, Bleib- und Ruheübungen, Abruftraining, nonverbales oder nur verbales Üben von Signalen, Distanzarbeit, Tricks und natürlich auch Freizeit und Freilauf.

Beim Thema Freizeit und Freilauf eine große Bitte: Sollte euer Hund NICHT zuverlässig abrufbar sein, dann behaltet ihn an der LEINE.

Meine Hunde sind nicht perfekt, aber erzogen, doch sie mögen es beide so absolut gar nicht, wenn fremde Hunde ohne Leine in ihre Individualdistanz eindringen! Und das gehört sich auch nicht. Klar kann es immer einmal passieren, dass ich zu spät reagiere, doch wisst ihr, dass euer Hund nicht abrufbar ist, dann gehört er an eine Schleppleine und er sollte in den Genuss eines Abruftrainings kommen.

Mir ist das auch schon einmal passiert und es war mir unendlich peinlich. Ich war im Wald unterwegs. Bagira läuft immer hinter mir oder max. 2 Meter neben mir, ich war abgelenkt und Spyck hat diese kurze Zeit meines NICHT-DASEINS ausgenutzt und ist zu einem fremden Hund gelaufen, der plötzlich im Wald um die Ecke kam. Ich habe mich 100mal entschuldigt und seitdem läuft auch Spyck auf Strecken, wo ich nicht komplett übersehen kann, direkt bei mir.

Meine Leseempfehlung:
Die Leine – oft gehasst und völlig missverstanden


Wald-Mobility

Und die Natur bietet uns zusätzlich so viele Dinge, die wir mit einbauen können. Sei es auf Baumstämmen zu balancieren, Baumstümpfe mit einzubauen, Bänke zum Umrunden, Strommasten zum Umrunden, Hoch-Übungen in vielen verschiedenen Varianten.

Natürlich fällt nicht jede Gassirunde bei uns so ausführlich aus. Manchmal ist einfach weniger Zeit vorhanden als an anderen Tagen oder man trifft sich doch einmal mit einer Freundin oder mit den Eltern zum Laufen, wo die Aufmerksamkeit dann nicht zu 100 % bei meinen Hunden ist.  

Solltest du allerdings noch mitten in dem Aufbau der verschiedenen Einheiten sein, wie Leinenführigkeit, Abruftraining, Orientierungsarbeit etc. und du möchtest dich mit Freundinnen oder der Familie treffen oder du möchtest einfach nur entspannt einmal eine Runde spazieren gehen, so empfehle ich dir deinen Hund zu Hause zu lassen. Hört sich hart an, letztendlich hat aber niemand etwas von so einem Spaziergang. Dein Hund macht was er will und du bist wahrscheinlich genervt, weil er macht was er will.


Fazit

Für mich bedeuten unsere Runden immer eine Auszeit vom Alltag und es ist eine wertvolle Zeit, weil wir nie wissen, wie lange ich meine beiden noch an meiner Seite habe. Die Spaziergänge mit meinen Hunden sind für mich jeden Tag aufs Neue eine echte Bereicherung.

Während des gesamten Spaziergangs kommuniziere ich mit meinen Hunden und bringe ihnen stetig etwas bei und arbeite mit ihnen. Das stärkt unsere Beziehung und Bindung zueinander.

Die Zeit, die ich draußen verbringe, gehört nur mir und meinen Hunden.

Wenn du zu den Hundehaltern gehörst, bei denen sich eine Routine in den Spaziergängen eingeschlichen hat, hoffe ich, dir mit diesem Blog-Artikel neue Denkanstöße geben zu können.

Hast du Anregungen, Fragen oder Kritik?
Wie sehen deine Spaziergänge aus? Verrate es mir gern in einem Kommentar.

Danke, dass du den Artikel bis zum Ende gelesen hast. Ich freue mich immer, wenn ich Feedback zu meinen Artikeln erhalte – sei es durch ein Teilen des Beitrages oder eure Kommentare.

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Über die Autorin
Saskia Katharina Siebel



Ich bin leidenschaftliche Hunde- und Menschentrainerin und eine absolute Herzensangelegenheit ist die Tierfotografie.

Seit einigen Jahren schreibe ich regelmäßig Blogartikel (die es manchmal auch in sich haben) und trotzdem ist das Feedback von euch darauf großartig. Viele von euch nehmen sich meine Worte zu Herzen und viele von euch fangen an sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Somit hab ich mein Ziel erreicht 🙂

Ich wünsche mir ein friedvolles, faires und stressfreies Miteinander für jedes Mensch-Hund-Team. Dazu gehört aber mehr als nur Gassigehen und dem Hund Signale beibringen.

Das Wichtigste ist:

Arbeite an dir und lasse dich auf deinen Hund ein. Lerne deinen Hund zu verstehen. Lerne deinen Hund zu lesen. Sei mit Verstand und Herz dabei!

Das Ergebnis wird dich staunen lassen!

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