In der Ruhe liegt die Kraft…

In der Ruhe liegt die Kraft…

Hunde brauchen mehr Schlaf und Ruhe als die meisten Hundehalter vermuten. Und in unserer täglichen Praxis ist das oft mit der erste Ansatz, um eine erste Verhaltensänderung zu bewirken.

Die meisten Hunde, die wegen unerwünschtem und teilweise kompliziertem Verhalten zu uns kommen, haben meist zu wenig Ruhe und Schlaf mit hoher Qualität.

Entspannt unter Tags irgendwo liegen und schlafen?

Das ist für viele Hunde schier unmöglich. Geschweige denn die Augen geschlossen zu halten und tief ein- und auszuatmen.

Bei den meisten Hunden ist der Tagesablauf meist gleich. Nachts ist normalerweise nichts los, die Menschen sind in der Nähe des Hundes, also kann der Hund beruhigt seine Augen schließen und in den Tiefschlaf sinken. Doch wenn der Tag in der Früh beginnt, ist es für viele Hunde nicht mehr leicht zur Ruhe zu finden. Auch mit dem Hintergrund, dass so einige Hunde es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kontrolle wie und wohin sich seine Menschen bewegen, meinen nachverfolgen zu müssen. Aber das ist ein anderes Thema.

Genügend Schlaf ist wichtig!

Bei normaler Aktivität haben Hunde ein Schlafpensum von mindestens 15 bis 17 Stunden. Gibt es Tage mit viel Aktivitäten, sollte hier noch mehr auf genügend Schlafphasen geachtet werden. Genauso wie bei älteren oder kranken Hunden.

Welpen, die mit 8 Wochen zu ihrem neuen Besitzer kommen, sollten die ersten Wochen mindestens 20 bis 22 Stunden am Tag schlafen. Im besten Fall hat der Züchter bereits darauf geachtet und den Heranwachsenden Ruhe verordnet. Auch ein Welpe/Junghund mit 16. bis 20. Lebenswoche sollte mindestens auf 19 bis 20 Stunden Schlaf kommen. Das bedeutet, im besten Fall sind die Hunde nur 4 bis 5 Stunden am Tag wach.

Hat der Züchter bereits sehr auf Ruhe geachtet und auch „Zwangspausen“ verordnet, nehmen sich viele Welpen diese Ruhe automatisch, es sei denn das Umfeld ist zu laut, zu hektisch oder der Welpe wird permanent bespaßt. Hier gilt wirklich: was Hänschen lernt…. Jeder Hund, der es von Beginn an gelernt hat sich zur Ruhe zu legen, wird es auch dann tun. Und das ist nicht nur sehr wertvoll, sondern gesundheitlich gesehen ein absolutes Muss.

Hunde müssen richtiges Schlafen erst wieder lernen

Leider sieht die Realität und Praxis meist anders aus. Nur seriöse Züchter achten auf so wichtige Themen wie das Ruhebedürfnis. Und da immer mehr Hunde importiert oder über das Internet von Vermehrern gekauft werden, kommen viele Welpen und Junghunde, aber auch erwachsene Hunde überhaupt nicht zur Ruhe, weil sie es nicht gelernt haben. Hier muss Stück für Stück das Umsetzen der Ruhe aufgebaut werden – das bedeutet Arbeit, ist aber durch konsequentes Verhalten und Training unsererseits zu erlernen.

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Auch viele erwachsene Hunde sind an diese natürlichen Ruhephasen teilweise nicht mehr gewöhnt und/oder sind aktiv, weil der Mensch meint, seinen Hund permanent beschäftigen zu müssen.

Diese Hunde sollten wieder dazu erzogen werden, mehr zu ruhen. Auch ein gemeinsames Dösen kann Wunder bewirken und dem Hund zeigen, dass Ruhezeiten positiv sind.

Wenn Hunde chronisch übermüdet sind, werden sie oft zu einem „kleinen Monster oder Tyrann“. Hier passt mein beliebter Spruch: Nach müde kommt blöd…

Nach müde kommt blöd!

Schlafmangel kann für die Hunde ernsthafte Folgen haben. Zu wenig Schlaf ist ein Problem, dass jeder wirklich ernst nehmen sollte, denn genau wie bei uns Menschen führt Schlafmangel über kurz oder lang zu gravierenden Problemen mit der Gesundheit und zu seelischen Veränderungen.

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Unserer Erfahrung nach, gibt es folgende Phasen:

  1. Der Hund zeigt ein stark überdrehtes Verhalten und ist kaum ansprechbar
  2. Ständige Konzentrationsschwäche sowie Defizite in den motorischen Fähigkeiten
  3. Fortschreitender Schlafmangel führt zu Nervosität und schneller Reizbarkeit, sowie einer geringen Geduld- und Frustrationstoleranz
  4. Anfälligkeit für Krankheiten steigt
  5. Aggressivität nimmt oft weiter zu
  6. Im weiteren Verlauf kann es oft zu chronischen Erkrankungen führen

Ruhe- und Schlafmangel führen also auch zu Regenerierungsdefiziten und die Folgen sind darüber hinaus weit mehr als nur unausstehliches Verhalten…


Wenn ich nicht weiß, was ich tue…

Viele Hundehalter zischen ihre Hunde bei stark überdrehtem Verhalten mit „Aus“, „Nein“, „Lass das“ an oder gehen ins Nichtbeachten über oder bringen sich vor dem beißenden Krokodil in Sicherheit. Pure Verzweiflung und die Behebung des Problems wäre sehr einfach: Die Ruhezeiten vom ersten Tag an überlegt organisieren und auch umsetzen. Denn der Hund kann nichts dafür!

Was erwartet Mann/Frau denn, wenn man sich ein Baby ins Haus holt? Ruhe und Stille? Leider ist das ziemlich konträr. Alle möchten sie auf der einen Seite Stille und Ruhe, aber gleichzeitig doch einen aktiven Hund. Also still und langweilig soll es sein, aber langweilig und still soll es nicht sein … 😉


Warum ist ausreichend Schlaf so wichtig?

Hunde nutzen den Schlaf, im besten Fall mehrmals am Tag, vor allem zur Erholung und Verarbeitung. Sie können so das Erlebte verarbeiten, regenerieren und neue Kräfte sammeln. Viel Schlaf hat viele positive Eigenschaften:

Hunde die regelmäßigen und ausreichenden Schlaf erhalten:

  • sind sehr viel entspannter in ihrem Verhalten und Auftreten
  • wird das Immunsystem gestärkt und sie sind weniger anfällig für Krankheiten
  • sind lernwillig und motiviert und lernen effektiver und schneller
  • haben sichtlich bessere motorische Fähigkeiten
  • können sich besser konzentrieren
  • haben eine höhere Geduld, bessere Erregungskontrolle und stabilere Frustrationstoleranz (natürlich nur, wenn an diesen Themen gearbeitet wurde!)

Wenn Hunde träumen…

Die meisten Hunde dösen tagsüber nur. So sind sie blitzschnell wach, um bei allen Aktivitäten dabei zu sein. In den Tiefschlaf fallen nur die wenigstens untertags.

Neben den Leicht- und Tiefschlafphasen gibt es wie bei uns Menschen auch die REM – Phasen. In dieser Phase träumt der Hund, meist mit Lidbewegungen, Fipsen oder zuckenden Pfoten oder auch knurren oder bellen.

Nicht alle Hunde träumen so offensichtlich mit zuckenden Beinen oder Knurren. Nach ca. 20 Minuten Schlaf setzt normalerweise bei den Hunden die erste Traumphase ein. Die Atmung wird dann flacher und unregelmäßiger.

Insbesondere frisch gebackene Ersthundehalter erschrecken sich, wenn ihr Hund mit geschlossenen oder auch verdrehten Augen, wild zuckender Gliedmaßen und leise jaulend auf seiner Decke liegt. Keine Panik! Der Hund träumt höchstwahrscheinlich nur intensiv und verarbeitet hierbei die Erlebnisse des Tages.

Solltest du allerdings das Gefühl haben, dass dein Hund wirklich im Traum in Panik ist, kannst du ihm deine Hand auf seinen wild zuckenden Körper legen und vorsichtig streicheln. Achte aber darauf, dass dein Hund sich nicht noch mehr erschreckt und das zur Gefahr werden kann.


Der optimale Schlafplatz

Zu einem guten Schlaf gehört auch der optimale Schlafplatz. Die Erfahrungen der Natur sind oftmals auch bei unseren Hunden im natürlichen Schlafbedürfnis ausgeprägt. Die meisten Hunde lieben es, in Kuhlen oder in Höhlen zu liegen. Es gibt ihnen ein Gefühl der Geborgenheit und des Schutzes. Auf folgende Punkte sollte geachtet werden:

  • Liebt es dein Hund unter der Bank, dem Tisch etc. zu liegen, würde ich dir empfehlen eine Hundebox zu kaufen. Dein Hund liebt es anscheinend von allen Seiten geschützt zu sein.
  • Der Hundekorb oder die Hundebox sollte nicht mitten im Raum stehen, sondern strategisch so, dass dein Hund nicht ständig kontrollieren kann, was sich in der Wohnung bewegt.
  • Ebenso sollte der Platz nicht direkt neben einer Türe (Flurtüre, Haustüre, …) liegen
  • Geeignet sind hier zum Beispiel Nischen zwischen Couch und Wand, der entfernt genug von euer Aktivität ist, euer Hund aber trotzdem in eurer Nähe ist.
  • Der optimale Platz sollte keiner direkten Sonneneinstrahlung oder Zugluft ausgesetzt sein, ebenso ist ein Platz am Kachelofen oder einer Heizung oft ungeeignet, weil die Schlafphase durch die Wärme beeinträchtigt werden können. Sucht sich dein Hund natürlich immer warme Orte, kann man individuell den Platz anpassen.
  • Auch sollte der Platz eine ausreichende Größe für den Hund bereit stellen. Wenn sich der Hund dann von selber einen viel zu kleinen Platz aussucht 😉 dann ist das so. Er sollte aber die Möglichkeit haben sich bequem hinlegen zu können.

Wenn Hunde zu viel schlafen …

Kann das auch ernste Ursachen haben. Bei vielen Erkrankungen haben die Hunde ein großes Schlafbedürfnis. Es ist ein großer Unterschied, ob der Hund schläft oder lethargisch da liegt. Erscheint der Hund eher lethargisch, anteilnahmeslos als schläfrig oder müde, sollte man definitiv auch an eine medizinische Ursache denken. Nimmt der Hund zu wenig Flüssigkeit auf oder hat kaum Appetit, ist das ein Warnsignal.

Im Normalfall ist ein viel Schlafen kein Grund zur Sorge, doch stellt man weitere Symptome wie Veränderungen am Trink- und Fressverhalten fest, sollte man dringend einen Tierarzt aufsuchen.

Danke, dass du den Artikel bis zum Ende gelesen hast. Ich freue mich immer, wenn ich Feedback zu meinen Artikeln erhalte – sei es durch ein Teilen des Beitrages oder eure Kommentare.

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Über die Autorin
Saskia Katharina Siebel



Ich bin leidenschaftliche Hunde- und Menschentrainerin und eine absolute Herzensangelegenheit ist die Tierfotografie.

Seit nun 2 Jahren schreibe ich regelmäßig Blogartikel (die es manchmal auch in sich haben) und trotzdem ist das Feedback von euch darauf großartig. Viele von euch nehmen sich meine Worte zu Herzen und viele von euch fangen an sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Somit hab ich mein Ziel erreicht 🙂

Ich wünsche mir ein friedvolles, faires und stressfreies Miteinander für jedes Mensch-Hund-Team. Dazu gehört aber mehr als nur Gassigehen und dem Hund Signale beibringen.

Das Wichtigste ist:

Arbeite an dir und lasse dich auf deinen Hund ein. Lerne deinen Hund zu verstehen. Lerne deinen Hund zu lesen. Sei mit Verstand und Herz dabei!

Das Ergebnis wird dich staunen lassen!

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