Ein Tierschutzhund zieht ein …

Ein Tierschutzhund zieht ein …

Herzlichen Glückwunsch! Du hast dich dazu entschieden einen Hund aus dem Tierschutz aufzunehmen!

Nachdem ich nach dem ein oderen anderen Blog Artikel nicht so nette Reaktionen erhalten habe (womit ich gut leben kann 😉 ) fange ich diesmal anders an.

JA, es gibt sie! Die unproblematischen, sehr dankbaren Traumhunde aus dem Ausland/Tierschutz!

Bestes Beispiel: Lilo von den „Zypern Pfoten“.

Realität vs. Wunschvorstellung

Hast du schnell erleben müssen, dass dein neuer Freund dich und deine Familie vor die ein oder andere Herausforderung stellt?

Dann bist du nicht alleine..

Viele Hunde, vor allem wenn sie aus dem Ausland kommen, kennen kaum Menschen, andere Tiere, Straßenverkehr u. ä. und sind meist schlecht bis gar nicht sozialisiert.

Meist liegen auch große Unsicherheiten und Ängste vor, die auch manchmal nicht direkt sichtbar sondern erst nach der Eingewöhnungsphase offensichtlich werden.

Die ersten 3 bis 4 Wochen wird dein Neumitglied nicht die Verhaltensweisen zeigen, wie er wirklich ist. Reaktionen auf Menschen und Situationen werden sich in dieser Zeit nochmals verändern sobald der Grundstresspegel sich normalisiert.

Selbst wenn diese Hunde nicht auf der Straße gelebt haben und keine großen „Probleme“ machen, kennen sie es oft nicht mit dem Menschen zu kooperieren. Dies erfordert Geschick, Zeit und Wissen um das zu ändern.

Gebe deinem Hund diese Möglichkeit um anzukommen!

Die ersten Tage und Wochen sind hier besonders wichtig! Achtest du auf ein paar Dinge, wirst du deinem Hund die Eingewöhnung erleichtern und ihm den bestmöglichen Start in ein neues Leben ermöglichen.

1. Geregelter Tagesablauf und Regeln im Haus:
Alle Hunde brauchen Struktur und Regeln. Sie gibt ihnen Sicherheit und Beständigkeit und sie wissen, woran sie sind. So kann sich dein Familienzuwachs oft leichter einleben, wenn er einen geregelten Tagesablauf im neuen Zuhause vorfindet.

Auch ist es empfehlenswert für den Anfang einen stressfreien Fütterungsplatz in der Wohnung zu suchen.

Dieser Hund beobachtet wären des Fressens seine Umgebung. Nehme diesen Stress deinem Hund.


2. Privilegien:
Viele Menschen neigen dazu, ihren Hund anfangs zu sehr zu verwöhnen und ihm viel zu viele Freiheiten und Privilegien zu geben. Sie überschütten den Hund mit Futter, Spielzeug, Aufmerksamkeit und vielen verschiedenen Liegeplätzen.

Hunde aber möchten sich an einer souveränen Führungsperson orientieren, denn erst dann kann er entspannen und sicherer werden.

Hunde die keine Führung erhalten, übernehmen diese selber und sind so nicht nur auf sich alleine gestellt sondern hier raus entstehen oft eine Reihe von Problemen, die nicht hätten sein müssen. Eingeräumte Privilegien dem Hund dann wieder zu entziehen, schafft mehr Durcheinander, Unsicherheiten und Probleme, die nicht nur den Hund mehr stressen sondern euch auch

3. Sicherung – das A und O:

Führt eure Hunde bitte immer von der Straße weg auf der Seite, wo ihr sie schützen könnt! Das gilt nicht nur für Tierschutzhunde!

Vor allem ängstliche und unsichere Hunde müssen vernünftig, am besten gleich doppelt gesichert werden, sprich über ein Leinenende an einem Sicherheitsgeschirr und das andere Leinenende an einem gut sitzenden breiten Halsband.

Auch in plötzlichen Angstsituationen ist eine Doppelsicherung oder ein Sicherheitsgeschirr absolut von Nöten!

Keinesfalls dürfen solche Hunde abgeleint werden, egal wie sicher ihr euch fühlt. Bitte sichert eure Hunde auch bereits im Auto, bevor ihr die Autotüre aufmacht. Im Haus kann euch eine leichte Hausleine helfen, euren Hund zu führen ohne ihn körperlich zu bedrängen.

Hundecoach Allgäu - Zusammen zum Ziel - lernen und miteinander arbeiten

4. Ruhe schaffen:
Dein Hund muss nicht sofort alle Verwandte, Nachbarn und Freunde und auch seine Umwelt kennenlernen. Er hat definitiv erst einmal genug mit den neuen Eindrücken in seinem neuen Zuhause zu tun.

Bitte ladet euch die ersten Tage keinen Besuch ein und schleppt ihn auch nicht direkt mit an den Badesee, in die Stadt oder in den Reitstall.


4. Beziehung aufbauen:
Gut dosierte Nähe hilft deinem Hund eine Beziehung aufbauen zu können. Interaktionen wie gemeinsames Kuscheln, Rennen, Blödeln und aus der Hand füttern können in dieser Hinsicht helfen.

Kontraproduktiv sind objektbezogene Spiele, wie Bälle oder Stöckchen werfen.

Aber auch wenn ihr euer menschenmöglichstes gebt, um eine Beziehung aufzubauen bleibt ein Restrisiko, dass es ein scheuer und ängstlicher Hund bleiben wird.

Diesem Hund ist der Körperkontakt sichtlich unangenehm


5. Gebt eurem Hund eine Führung!
Es gehört viel mehr dazu, als nur etwas „Gutes“ tun zu wollen und einem Hund aus dem Tierschutz ein neues Zuhause zu geben.

Zeigt eurem Hund, dass ihr ihn durch sein Leben führt. Lasse ihn ganz oft die Erfahrung machen, wie gut es ist deine direkte Nähe aufzusuchen.

Belohne jeden Blickkontakt. Lasse dich nicht von ihm planlos und aufgeregt durch die Gegend ziehen. Nehme dir für alle Übungen viel Ruhe und Zeit. Lasse deinen Hund die Umwelt beobachten und taste dich Schritt für Schritt an mehr Ablenkung.

Schnell durch Situationen zu kämpfen bringt rein gar nichts! Nehme dir Zeit und zeige deinem Hund in aller Ruhe und mit viel Verständnis seine neue Welt. Das richtige Timing für Belohnung ist selbstverständlich unabdingbar.

6. Zeit, Verständnis und Geduld:
Einen Hund aus dem Tierschutz (egal ob Auslandshund oder einem Hund aus Deutschland) zu nehmen ist meist eine große Herausforderung. Jeder Hund hat seine Vorgeschichte, die wir oft nicht mal im Ansatz wissen.

Entweder wurde ein Tierheim- oder Tierschutzhund vom Menschen „entsorgt“, da Probleme aufgetaucht sind oder/und es eine unüberlegte Anschaffung war.

Unsere Leseempfehlung:
Ich kaufe mir mal eben einen Hund…

Hunde aus dem Ausland, die über diverse Tierschutz Organisationen nach Deutschland gebracht wurden, haben oft selber auf der Straße überlebt, teilweise sind sie schon über Generationen verwilderte Hunde und diese dann in ein deutsches „Muster“ zu pressen erweist sich als schier unmöglich.

Diese Hunde brauchen keinen Menschen und mit dieser Tatsache klar zu kommen, fällt vielen Adoptionsfamilien schwer.

Natürlich werden Hunde aus dem Ausland auch ggf. in einem Tierheim geboren oder hatten auch dort Vorbesitzer, so oder so sind sie oft durch ihre Vorgeschichte stark geprägt und bringen so Verhaltensweisen mit, mit denen viele Menschen überfordert sind.

Unsere Leseempfehlung:
Ich kaufe mir mal eben einen Hund Teil 2

Hunde sind nicht dankbar, wie wir Menschen es vielleicht sind. Und nur weil ihr einem Hund aus dem Tierschutz ein neues Zuhause gebt heißt das nicht, dass dieser Hund sich eurem Leben direkt anpasst und alles tut was ihr euch wünscht.

Diese Hunde brauchen viel Zeit, Geduld, Liebe und Konsequenz, teilweise über Monate teilweise aber auch über Jahre. Das sollte jedem bewusst sein, der einem Second-Hand-Hund ein neues Zuhause gibt.

Es können mit eurer Geduld, euer Konsequenz und gut durchdachtem Training fantastische Hunde werden – auch ihm Team mit euch, doch das solltet ihr nie als selbstverständlich erachten.

Über die Autorin
Saskia Katharina Siebel



Ich bin leidenschaftliche Hunde- und Menschentrainerin und eine absolute Herzensangelegenheit ist die Tierfotografie.

Seit nun 2 Jahren schreibe ich regelmäßig Blogartikel (die es manchmal auch in sich haben) und trotzdem ist das Feedback von euch darauf großartig. Viele von euch nehmen sich meine Worte zu Herzen und viele von euch fangen an sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Somit hab ich mein Ziel erreicht 🙂

Ich wünsche mir ein friedvolles, faires und stressfreies Miteinander für jedes Mensch-Hund-Team. Dazu gehört aber mehr als nur Gassigehen und dem Hund Signale beibringen.

Das Wichtigste ist:

Arbeite an dir und lasse dich auf deinen Hund ein. Lerne deinen Hund zu verstehen. Lerne deinen Hund zu lesen. Sei mit Verstand und Herz dabei!

Das Ergebnis wird dich staunen lassen!

2 Kommentare

  • Petra R. gepostet 9. Oktober 2019 21:23

    Sehr sehr schön geschrieben und mal wieder auf den Punkt gebracht…

    • saskiakatharina gepostet 9. Oktober 2019 21:27

      Vielen lieben dank!

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