Wenn das Herz an einem Tag doppelt bricht

Wenn das Herz an einem Tag doppelt bricht

Wenn das Herz an einem Tag doppelt bricht: Fünf Jahre Bagira, ein Jahr Spyck

Es gibt Tage im Kalender, die nähern sich nicht einfach nur an. Sie werfen ihren Schatten voraus, bereits wochenlang davor und lassen die Luft in meinem Raum dünner werden. Der 16. Juli ist für mich so ein Tag. Es ist ein Datum, an dem die Zeit für mich gleichzeitig stillsteht und in einer unfassbaren Geschwindigkeit weiter rennt.

Fünf Jahre ist es jetzt her, dass Bagira gegangen ist. Fünf Jahre. Es fühlt sich an, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich sein Fell berührt, mich bei ihm eingekuschelt habe. Ich seinen Atem auf meiner Haut spürte. Und jetzt ist er schon fast so lange tot, wie er überhaupt auf dieser Erde leben durfte. Und genau an diesem verfluchten und gleichzeitig heiligen Tag, hat sich vor einem Jahr auch unser Spyck auf seinen Weg gemacht.

Dass zwei Hunde, die hier unten im Alltag jahrelang unzertrennlich waren, sich genau dasselbe Datum für ihren letzten Aufbruch aussuchen, brennt sich tief in meine Seele ein. Es ist verrückt, im ersten Moment kaum zu begreifen und trotzdem besänftigt es mich mittlerweile auf eine ganz leise Art.

Es gibt mir einen tiefen, unerschütterlichen Trost zu wissen, dass sich diese beiden unzertrennlichen Seelen nun auch ihren Todestag gemeinsam teilen. Sie sind nun zusammen im selben Rhythmus. Und doch berührt und beschäftigt mich dieses Phänomen auch jetzt, ein Jahr danach, noch sehr intensiv.

Das Zeichen im Raum: Wenn Verbundenheit den Tod überdauert

Der Tag, an dem Spyck ging, war schwer. Der Raum war voller Abschied, voller Tränen und dieser bleiernen Schwere, die sich breitmacht, wenn du weißt, dass heute der verdammt Tag X gekommen ist. Aber als ich die genaue Uhrzeit wusste, wann die Tierärztin zu uns nach Hause kommt, um den letzten Weg einzuleiten, passierte etwas, das ich nie vergessen werde. Bagira war plötzlich da, obwohl ich kaum noch denken konnte.

Seine Energie war da, ganz stark, warm und unmissverständlich deutlich spürbar. Es war dieses tiefe Wissen im Herzen: Die beiden werden gleich wieder vereint sein. In diesem unfassbar schweren Moment wurde mir die größte Loyalität erwiesen, die überhaupt zwischen Mensch und Tier existiert, eine Verbundenheit, die weit über den Tod hinausreicht. Nicht nur Spyck hat mir bis zu seinem allerletzten Atemzug die Treue gehalten und mich mit seinen matten Augen angesehen, auch Bagira war in diesem dunklen Augenblick wieder an unserer Seite.

Die letzten Minuten an diesen Tagen, wenn das Leben aus den Körpern weicht, kann ich bis heute nicht in Worte fassen. In diesen Momenten konnte ich nicht mehr rational denken, ich war nur noch im reinen Gefühl. Pure Verzweiflung. Die nackte Angst, wie ich erst ohne Jamaro, dann ohne Bagira, dann ohne Sunny und letztes Jahr dann – ohne Spyck überhaupt weiterleben soll, welche riesige, klaffende Lücke jeder einzelne in unserem Haus hinterlassen wird und wie unfassbar groß dieser Schmerz ist.

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Unsere Auszeit in der Natur: Den Erinnerungen einen Raum geben

Für mich sind die Todestage, genauso wie die Geburtstage im Himmel weiterhin unglaublich wichtig und gleichzeitig unfassbar schmerzhaft. Ich kann diese Tage nicht übergehen und schon gar nicht vergessen. Deshalb versuchen wir jedes Jahr an diesem Datum, so wenig wie möglich im Alltag zu machen. Keine Termine, keine Verpflichtungen, kein Lärm der Welt. Wir nehmen uns diesen Raum für uns.

Wir fahren an Orte in der Natur, die die beiden – und auch Jamaro – geliebt hätten. An den Strand, an den See, in den Wald, dorthin, wo wir ihnen ganz nah sein können. Wir nehmen uns die Zeit, um über schöne Momente und Erlebnisse zu sprechen, um alte Geschichten wieder hochzuholen, zu lachen, zu weinen und der Trauer genau den Platz zu geben, den sie verlangt.

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Und mitten in dieser absoluten Dunkelheit steht dieses gleichzeitige, paradoxe Privileg:

mein Tier auf der einen Seite von seinem Leiden erlösen zu dürfen und es im selben Moment für immer in meiner Welt zu verlieren.

Unterschiedliche Wege des Abschieds

Der Schmerz ist bei beiden Hunden anders, weil unsere Geschichten anders waren. Jede Beziehung ist einzigartig, und so ist es auch die Trauer.

Bagira war mein Seelenhund, mein Zwilling, mein Baby, mein „Kind“, was ich niemals hatte. Ich habe ihn gebraucht, wie die Luft zum Atmen und er hat mich gebraucht, wie die Luft zum Atmen. Wir waren eins, ohne Trennung, ohne Fassade. Ihn so jung, dann doch so plötzlich und dramatisch nach einer Notoperation verloren zu haben (obwohl ich 6 Jahre lang um sein Leben und für ein besseres Leben gekämpft habe), ist für mich ein tiefes Trauma, genau wie bei Jamaro. Es lag weder am Alter, noch konnte ich mich innerlich irgendwie darauf vorbereiten oder mich mit dem Gedanken anfreunden, denn für uns war immer klar, dass Bagira aufgrund seiner genetischen und orthopädischen schweren Erkrankungen sterben wird, aber nicht an einem Magenverschluss.

Spyck hatte im Gegensatz zu Bagira ein langes, erfülltes und ich würde behaupten – sehr glückliches Leben. Er ist über 14 Jahre alt geworden, durfte alt und tüddelig, grau und weise werden. Er durfte mit uns auswandern und die letzten Jahre in Spanien verbringen. Er liebte den Strand, das Meer und die Wärme. Der Schmerz über seinen Verlust ist riesig, er fehlt, wie Jamaro, Bagira und Sunny an allen Ecken, aber dennoch fühlt sich dieser Abschied anders an als das plötzliche Trauma von bei Jamaro und Bagira damals. Ich kann diesen Unterschied bis heute noch nicht richtig in Worte fassen, aber er ist da.

Es macht den Verlust von Spyck nicht weniger wert oder nicht weniger schmerzhaft. Und es macht es verdammt noch mal nicht besser, von außen diesen einen Satz gesagt zu bekommen, den man ohnehin schon tausendmal gehört hat:


„Ja, du weißt doch, wie alt er war“ oder „Du wusstest doch von Anfang an, dass Tiere früher gehen“.


Dieses Bla Bla Bla der Menschen, die den Schmerz schnell weghaben wollen, weil sie ihn selbst nicht aushalten.
Ja, in dem Moment, wo wir uns für ein Tier entscheiden, wissen wir, dass sie nicht so lange leben wie wir. Wir unterschreiben diesen unsichtbaren Vertrag mit dem Wissen, dass der Tag X kommen wird. Aber dieses Wissen im Kopf schützt das Herz vor dem Zusammenbruch nicht. Wenn der Tag da ist, bricht es trotzdem.

Es ist völlig egal, ob ein Hund sechs Jahre alt war oder vierzehn. Der Platz neben mir ist leer. Das Tippeln der Pfoten auf den Fliesen fehlt. Es tröstet in der Sekunde des Abschieds nicht, dass er ein langes Leben hatte. Es macht den Schmerz nur leiser, weil die Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit in Spanien, für jeden Strandspaziergang und jeden gemeinsamen Sonnenuntergang mitschwingt. Aber der Schmerz ist da, echt und tief, genau wie bei Bagira, Jamaro und Sunny. Jedes dieser Tiere hat ein Stück von meinem Herzen mitgenommen, und keines lässt sich durch rationale Sätze ersetzen. Trauer hat kein Mindesthaltbarkeitsdatum und sie orientiert sich nicht an Lebensjahren.



Liebe ist Liebe und Trauer ist Trauer.

Was mir im Alltag fehlt: Die Stille danach

Wenn ich die Augen schließe und mich in die Vergangenheit zurückversetze, vermisse ich am meisten Bagiras weiches, gleichmäßiges Atmen, wenn er ganz dicht an mich gedrückt bei mir geschlafen hat, sein beruhigendes Schnarchen, seinen ganz besonderen, vertrauten Geruch, seine unfassbare, ansteckende Lebensfreude trotz seines eingeschränkten Lebens und dieses typische, unbeschwerte Samba-Popowackeln, das jeden noch so dunklen Raum sofort erhellt hat. Bagira war mein Schatten, mein zweites Ich. Jede Bewegung von ihm hat eine Lebensenergie ausgestrahlt, die mich durch meine schwersten Tage getragen hat. Wenn diese Energie von einem Moment auf den anderen wegfällt, bleibt eine Stille, die sich wie Blei auf meine Brust gelegt hat. Eine Stille, die man nicht einfach wegschieben kann, weil sie an und in jeder Ecke des Hauses sitzt.

Spyck habe ich 14 Jahre mit all meiner Verantwortung, Führung und Liebe begleitet und wenn man einen Hund wirklich als wundervolles Wesen sieht, dass bedingungslos geliebt wird, egal welche Ecken und Kanten vorhanden sind, dann schweißt das zusammen. Von Spyck fehlt mir diese tiefe, unkomplizierte Partnerschaft im Alltag. Er war einfach da, treu, beständig. Seine bedingungslose Loyalität und dieser eine, ganz bestimmte Blick, der mir jeden Tag aufs Neue gesagt hat, dass ich genau richtig bin, wie ich bin, ohne dass ich mich erklären, verstellen oder rechtfertigen muss. Spyck war der Fels. Er hat die Räume mit seiner bloßen Anwesenheit stabilisiert. Es war dieses unaufgeregte Mitgehen, das gemeinsame Aufstehen, das Wissen, dass da jemand steht, der dich ansieht und deine Seele meint.

Es sind die kleinen, unscheinbaren Sequenzen, die am meisten wehtun. Das Geräusch von Krallen auf den Fliesen am Morgen. Das Warten vor der Küchentür. Das automatische Ausweichen, wenn man einen Schritt zurücktritt, weil da normalerweise jemand lag. Dieses blinde Teamplay, das sich über Jahre eingespielt hat, funktioniert plötzlich nicht mehr. Man greift ins Leere. Man schaut an Plätze, die leer sind. Auch jetzt komme ich oft heim und sage: „Hallo Jungs, bin wieder da!“

Und genau das ist es, was Menschen ohne Tiere oder Menschen, die ihr Tier „nur“ als Sportgerät oder „lästiges“ Tier sehen, was nicht macht was sie „wollten – niemals verstehen werden: Der Alltag bricht erst einmal in sich zusammen. Es ist nicht nur der Verlust eines Lebewesens, es ist der Verlust einer täglichen Lebensstruktur, eines festen Ankers, der Halt gegeben hat, wenn deine Reize überflutet waren. Wenn sie gehen, nehmen sie nicht nur einen Teil ihrer Liebe mit, sondern auch die Ruhe, die sie in mein Leben gebracht haben.


Tage voller lebendiger Liebe und purem Horror

Viele Menschen in unserer Gesellschaft können sich nicht einmal an das exakte Geburtsdatum ihres Tieres oder an wichtige Meilensteine erinnern. Wenn ich dann merke, wie unbemerkt und gleichgültig diese Tage für die Außenwelt vorbeiziehen, fehlen mir oft die Worte. Ich persönlich kann es im tiefsten Inneren nicht begreifen, wie man solche Tage vergessen kann. Doch diese Menschen können vermutlich nicht begreifen, warum ich mich daran erinnern kann und nicht verstehen, warum mir die Tage so wichtig sind.

Aber wie vergisst man den Tag, an dem die Welt kurz aufgehört hat, sich zu drehen? Für mich sind diese Tage purer Horror, weil ich alles noch mal genau so durchlebe, wie diese Tage damals abgelaufen ist. Jede Stunde, jede Sekunde, jedes Geräusch kommt zurück. Und trotzdem sind diese Daten kein sterbender Kalendereintrag, den man hinter sich lässt. Sie sind meiner Meinung nach auch der lebendige Beweis: Liebe endet nie.

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Der Umgang mit der Angst: Dem Schmerz den Gegenpart an die Seite stellen

Im Moment habe ich einfach nur wieder Angst vor diesem Datum, je näher es rückt. Der Druck im Inneren steigt, der Hals schnürt sich zu. Ich habe mich bewusst entschieden, diesen Text auch erst genau an diesem Tag zu teilen, wenn der 16. Juli da ist und die Zeit reif ist.

Bis dahin versuche ich, mit dem Druck so umzugehen, dass ich mir ganz bewusst die schönen Momente in Form von Fotos und alten Videos anschaue. Ich schaue in ihre glücklichen Augen auf den Bildern, höre Bagiras „Singen“ und Spyck´s Bellen auf den Videos und halte diese glücklichen Augenblicke fest. Ich tue das, um der schweren Trauer einen lebendigen, kraftvollen Gegenpart an die Seite zu stellen. Die Trauer darf sein, aber das Glück von damals auch.

Was am Ende bleibt, über jedem Schmerz und über jeder Träne, ist eine unglaubliche, tiefe Dankbarkeit. Dafür, dass diese wundervollen Kinder mir jeden Tag aufs Neue ihr blindes Vertrauen und ihr ganzes Glück geschenkt haben. Dass sie für mich da waren, wenn es mir schlecht ging, ich sie durch ihr Leben begleiten durfte und sie schlussendlich bis zu ihrem allerletzten Atemzug an der „Pfote“ gehalten und begleiten durfte.

Liebe endet nie. Genauso wie die Trauer niemals enden wird. Sie wird sich weiter verändern. Das Leben baue ich um die Trauer herum. Ich werde immer Hunde-Mama bleiben und trotzdem zerreißt es mir immer wieder aufs Neue das Herz.

Wenn du diese Zeilen liest und dir die Tränen in den Augen stehen, dann weiß ich, dass du diesen Schmerz kennst.

Haben meine Worte dich berührt? Kommt dir diese tiefe, fast unerträgliche Sehnsucht bekannt vor?

Wenn du auch so ein Seelentier gehen lassen musstest, wenn du die Lücke in deinem Alltag jeden Tag spürst und das Unverständnis der Außenwelt satthast: Lass mir deine Gedanken gerne in den Kommentaren da. Du bist mit diesem Schmerz nicht allein.

Das hier war mein ganz persönlicher Liebesbrief an Bagira und Spyck. Ein Denkmal für zwei Hunde, die mein Leben für immer verändert haben.

Wenn du gerade selbst einen geschützten Ort suchst, um deine eigene Geschichte festzuhalten, um den Tränen und der Dankbarkeit einen sicheren Raum zu geben, schau dir mein Buch an. Es ist nicht nur Bagiras und meine Geschichte, es ist ein Ort für dich und dein Tier.

Bagira. Eine Geschichte über das Leben und den Tod

Mein Buch – dein Raum

Genau aus diesem tiefen, schmerzhaften und intensiven Erleben heraus habe ich damals mein Buch „Bagira – Eine Geschichte über das Leben und den Tod“ geschrieben. Es enthält meine wahre Geschichte über unsere gemeinsamen 6 Jahre und 88 Tage voller Höhen und Tiefen, ganz ehrlich, nackt und ungeschönt. Doch es ist mehr als nur meine eigene Erzählung.

Ich habe darin einen geschützten Raum geschaffen, ein Erinnerungsalbum und Workbook mit 60 zusätzlichen Seiten, die nur dir und deiner eigenen Geschichte mit deinem Tier gehören.

Es ist für Menschen, die mitten in der aktiven Trauerarbeit stecken und Worte für das Unfassbare suchen, aber auch für diejenigen, deren Hunde noch leben, um die gemeinsame Zeit jetzt so intensiv zu feiern, dass die Angst vor dem Ende der Dankbarkeit weicht. Es soll trösten, ohne zu belehren, und dich einfach still in den Arm nehmen, wenn die Welt um dich herum zu laut wird.

Danke, dass du bis hier gelesen hast. Ich wünsche dir, deiner Familie und deinen vierbeinigen Liebsten von Herzen alles Liebe.

In tiefer Verbundenheit, Saskia Katharina

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Über die Autorin
Saskia Katharina Siebel

Ich bin leidenschaftliche Hunde- und Menschentrainerin und eine absolute Herzensangelegenheit ist die Familien-, Paar- und Tierfotografie.

Seit vielen Jahren schreibe ich Blogartikel (die es manchmal auch in sich haben) und trotzdem ist das Feedback von euch darauf großartig. Viele von euch nehmen sich meine Worte zu Herzen und viele von euch fangen an sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Somit hab ich mein Ziel erreicht 🙂

Ich wünsche mir ein friedvolles, faires und stressfreies Miteinander für jedes Mensch-Hund-Team. Dazu gehört aber mehr als nur Gassigehen und dem Hund Signale beibringen.

Das Wichtigste ist:

Arbeite an dir und lasse dich auf deinen Hund ein. Lerne deinen Hund zu verstehen. Lerne deinen Hund zu lesen. Sei mit Verstand und Herz dabei!

Das Ergebnis wird dich staunen lassen!

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