Wenn die Sommersonne brennt, verwandelt sich der Asphalt in eine glühende Herdplatte. Was uns in den Schuhen kaum auffällt, fügt den ungeschützten Hundepfoten massive Schmerzen und Verbrennungen zu. Doch die Sommerhitze bringt Gefahren mit sich, die weit über heiße Gehwege hinausgehen und im Alltag viel zu schnell unterschätzt werden. Als Hundehalter musst du jetzt genauer hinschauen und verstehen, wie das System deines Hundes funktioniert, damit die heißen Monate nicht zur Lebensgefahr werden.
Die Brutkasten-Falle: Das parkende Fahrzeug
Wer sein Tier bei sommerlichen Temperaturen im Wagen warten lässt, riskiert leichtsinnig dessen Leben. Das Problem ist die psychologische Täuschung. Drinnen im klimatisierten Laden vergisst man die Hitze schlichtweg, sobald man durch die Eingangstür geht. Man bummelt, schlendert durch die Gänge und verliert jedes Zeitgefühl. Das böse Erwachen kommt beim Öffnen der Autotür, wenn dir die stickige Hitzewelle entgegenschlägt und das Tier dich panisch mit runden Augen anhechelt.

Es gibt keine Ausreden. Man nimmt sich zwar fest vor, sich zu beeilen, aber dann trifft man Bekannte für ein kurzes Gespräch oder steht ewig an der Kasse. Selbst ein schattiger Parkplatz rettet dich nicht, denn die Erde dreht sich und die Sonne wandert unbarmherzig weiter. Ehe du dich versiehst, steht der Wagen in der prallen Sonne und wird in Rekordzeit zum tödlichen Ofen. Wer das unterschätzt, sollte sich die Berichte zum bekannten Spiegelei Test auf dem Armaturenbrett durchlesen.
Merke dir bitte: Sobald das Thermometer draußen die 20 Grad Grenze knackt, bleibt das „Alleine im Auto bleiben“ für den Hund bitte absolut tabu. Außer du kannst z. B. die Heckklappe vollständig geöffnet lassen, da du eine feste, abschließbare Transportbox in deinem Auto hast. Bitte parke dann trotzdem im Schatten.

Glühende Gehwege: Gefahrenzone Boden
Neben dem Auto lauern im Alltag weitere Risiken für deinen Hund – egal ob in Spanien oder Deutschland. Vor allem während der Mittagsstunden speichern Beton, Pflastersteine aber auch Sand die Wärme massiv. Für die empfindlichen Ballen der Pfoten kann das Verbrennungen bedeuten.
Einige Fakten:
- Die 7-Sekunden-Regel: Um herauszufinden, ob der Boden zu heiß ist, reicht es nicht, kurz mit dem Schuh zu tippen. Man muss den eigenen Handrücken (oder die nackte Fußsohle) für mindestens sieben Sekunden fest auf den Asphalt drücken. Wenn man das nicht schmerfrei durchhält, ist der Boden für die Hundepfote absolut ungeeignet.
- Asphalt als Wärmespeicher: Dunkler Asphalt absorbiert die Sonnenstrahlung extrem stark. Selbst bei einer relativ milden Lufttemperatur von etwa 25 °C kann sich der Straßenbelag in der prallen Sonne innerhalb kürzester Zeit auf über 50 °C aufheizen. Bei hochsommerlichen Temperaturen um die 35 °C erreicht der Asphalt locker 65 °C bis 70 °C – das reicht für schwere Verbrennungen zweiten und dritten Grades nach nur wenigen Minuten Kontakt.
- Die unterschätzte Höhe: Hunde befinden sich anatomisch bedingt viel dichter am Boden als wir Menschen. Direkt über dem glühenden Asphalt entsteht eine extreme Hitzeschicht. Der Hund läuft also nicht nur auf einer heißen Fläche, sondern atmet auch permanent die heiße, aufsteigende Luft ein, was das Risiko für einen Hitzeschlag massiv beschleunigt.
- Das Tückische an Verbrennungen: Verletzungen an den Ballen durch Hitze zeigen sich oft verzögert. Der Hund läuft im Adrenalin vielleicht noch normal weiter, aber Stunden später oder am nächsten Tag löst sich die Hornhaut flächig ab, es bilden sich Brandblasen und das blanke Fleisch liegt frei. Das ist für das Tier extrem schmerzhaft und führt fast immer zu langwierigen, infektionsanfälligen Behandlungen.
Warum Hunde den Schmerz oft erst spät zeigen
Hunde sind Meister im Verbergen von Schmerzen und laufen oft aus purem Gehorsam oder Stress weiter mit, obwohl die Ballen bereits Schaden nehmen. Erst wenn die Hautablösung beginnt oder Brandblasen entstehen, fangen sie an zu lahmen oder die Pfoten exzessiv zu belecken.
Was passiert bei einer Verbrennung der Ballen?
Die Hornhaut der Ballen ist zwar robust gegen mechanischen Abrieb, aber extrem empfindlich gegen Hitze. Bei einer thermischen Schädigung stirbt das Gewebe ab. Die Ballenhaut verfärbt sich, wird rissig oder schält sich regelrecht großflächig ab. Da der Hund auf diesen Wunden laufen muss, sind solche Heilungsprozesse extrem langwierig, schmerzhaft und extrem infektionsanfällig.
Tierärztliche Sofortmaßnahme bei verbrannten Pfoten
- Sofortige Kühlung: Die Pfoten müssen augenblicklich unter fließendem, handwarmem (niemals eiskaltem!) Wasser für mindestens 10 bis 15 Minuten gekühlt werden, um das „Nachgaren“ des Gewebes im Inneren zu stoppen.
- Keine Experimente mit Salben: Bitte keine fetten Cremes, Hausmittel oder Wundsalben auf brandverletzte Ballen schmieren. Das schließt die Hitze nur ein.
- Schutz und Tierarzt: Die Pfoten steril abdecken (z. B. mit einer sauberen Socke oder einem leichten Verband) und sofort in die Praxis fahren. Brandwunden am Ballen erfordern fast immer Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente.
Stelle den Tagesablauf im Sommer bitte komplett um. Die großen Runden gehören in die kühlen Morgenstunden oder ganz spät Abends. Achte zudem auf die direkte Sonneneinstrahlung. Hast du einen Hund mit sehr hellem Fell ohne Unterwolle, der sich immer wieder gerne in die Sonne legt, solltest du die hellen Stellen oder wo wenig Haare sind konsequent mit Sonnenschutz eincremen, um seine Haut zu schützen.

Das System herunterkühlen und entlasten
Im Sommer müssen wir das Herz Kreislauf System unserer Tiere maximal entlasten, was ganz besonders für die ältere Generation, ebenso wie für kranke oder brachyzephale Rassen gilt. Nutze Hilfsmittel wie Baggys, um deinem alten Hund weiterhin die Tage schön zu machen – bitte sorge aber wirklich dafür, dass es ihm dabei gut geht.
Für Rassen mit extrem dicker Unterwolle oder sehr langem Haarkleid sind für zu Hause zudem Kühlmatten und Liegeplätze mit Kühlfunktion eine enorme Erleichterung.
Ergänzend helfen diese klaren Regeln für den Sommeralltag:
- Halte das Trinkwasser daheim permanent frisch, aber vermeide eiskalte Temperaturen
- Pack für Ausflüge grundsätzlich eine eigene Wasserreserve und einen mobilen Reisenapf ein
- Nutze ein befüllbares Spielzeug, friere es mit etwas Futter ein und gib es als kühlende Beschäftigung
- Vermeide jede Form von Hundesport und intensiver körperlicher Belastung tagsüber
Notfallmanagement: Erste Hilfe beim Hitzeschlag
Sollte das System dennoch kollabieren, ist schnelles, aber besonnenes Handeln überlebenswichtig. Die normale Temperatur des Hundes liegt zwischen 38 und 39 Grad. Klettert der Wert auf 40 Grad oder höher, droht akutes Staatsversagen. Bei extrem schnellem, flachem Hecheln musst du sofort eingreifen.
Schritt für Schritt:
Das oberste Ziel ist es, die Körpertemperatur des Hundes effektiv, aber kontrolliert zu senken. Tierärztliche Kliniken empfehlen folgendes Vorgehen:
1. Sofort raus aus der Hitze
Bring den Hund als allererstes an einen schattigen, kühlen und gut belüfteten Ort oder in einen klimatisierten Raum.
2. Das Prinzip „Von unten nach oben“
Nutze lauwarmes bis kühles Wasser. Niemals eiskaltes Wasser verwenden. Fange bei den Pfoten und den Hinterbeinen an. Arbeite dich dann langsam über die Vorderbeine, den Bauch, die Innenschenkel und die Achselhöhlen vor. Erst ganz zum Schluss, wenn der Hund sich sichtlich entspannt, kommt der Rumpf und der Nackenbereich an die Reihe. Das Fell sollte komplett durchnässt werden.
Bist du dir nicht sicher, in welchem Stadium dein Hund sich befindet, zögere nicht und mache deinen Hund shnell komplett nass und ihn damit runter zu kühlen – unabhängig von Wassertemperatur und Körperregion.
3. Trinken, aber nur ohne Zwang
Wenn der Hund ansprechbar und schluckfähig ist, biete ihm lauwarmes Wasser an.

Die lauernden Gefahren und häufige Fehler beim Kühlen
Gut gemeinte „Erste Hilfe“ kann ohne das nötige Wissen aber fatal enden. Tierärzte weisen besonders auf diese drei Gefahren hin:
Die Schock-Gefahr durch eiskaltes Wasser
Der größte Fehler ist der Griff zu Eiswürfeln oder eiskaltem Wasser aus der Kühltruhe. Durch die extreme Kälte ziehen sich die Blutgefäße in der Haut schlagartig zusammen (Vasokonstriktion). Das Blut kann nicht mehr zirkulieren, wodurch die Hitze im Körperinneren gefangen bleibt und die Organe noch schneller beschädigt werden. Zudem überlastet dieser Kälteschock das ohnehin geschwächte Herz-Kreislauf-System sofort, was zum tödlichen Herzstillstand führen kann.
Die Falle mit den nassen Handtüchern (Stauungshilfe)
Nasse Handtücher sind ein gutes Hilfsmittel, aber nur, wenn sie unter den Hund gelegt werden oder man ihn damit vorsichtig abtupft. Legst du eine große, nasse Decke über den Hund und lässt sie dort liegen, passiert nach wenigen Augenblicken folgendes: Das Wasser erwärmt sich durch die extreme Körperhitze des Tieres. Die Luft kann nicht mehr zirkulieren und es entsteht eine gefährliche Stauungshitze, die die Körpertemperatur wie in einem Gewächshaus weiter nach oben treibt. Wenn du Tücher auflegst, müssen diese permanent gewechselt oder mit frischem Wasser gegossen werden.
Lebensgefahr durch Einflößen von Wasser
Wenn ein Hund lethargisch, teilnahmslos oder gar bewusstlos ist, darf ihm niemals Wasser in das Maul geschüttet werden. Da die Schluckreflexe in diesem Zustand gestört sind, gelangt das Wasser direkt in die Luftröhre und die Lunge. Der Hund würde ertrinken. Ist er nicht trinkfähig, befeuchte stattdessen lediglich vorsichtig seine Zunge und die Lefzen.
Achtung: Nach dem Kühlen kommt es oft zur Untertemperatur. Dann muss man den Hund wärmen, allerdings kann dann die Temperatur wieder zu hoch steigen. Das kann zu einem Langen auf und ab der Körpertemperatur werden und muss in professionelle Hand. Also bitte nehme einen Hitzschlag bei deinem Hund ernst.
Nach der Ersten Hilfe: Der Weg in die Praxis
Auch wenn der Hund nach dem Kühlen wieder munter wirkt und das Hecheln nachlässt: Ein Hitzeschlag muss immer sofort tierärztlich behandelt werden. Viele Schäden, wie Hirnödeme, Blutgerinnungsstörungen oder irreparable Nierenschäden, entwickeln sich erst in den folgenden 24 bis 48 Stunden.
Kündige deinen Notfall auf dem Weg zur Praxis unbedingt telefonisch an, damit das Team vor Ort sofort lebenserhaltende Maßnahmen wie kalte Infusionen und Sauerstoff vorbereiten kann. Halte das Auto während des Transports durch die Klimaanlage oder geöffnete Fenster kühl, vermeide dabei aber extreme, direkte Zugluft auf den nassen Hund.

Wenn du auf diese Regeln achtest und auf deinen Hund und dich gut aufpasst, kann dem Sommer nichts mehr im Wege stehen!
Vielen Dank, dass du meinen Artikel bis zum Schluss gelesen hast.
Ich freue mich sehr auf jegliches Feedback, über deine Meinungen und Gedanken und freue mich wenn du den Artikel weiter teilst.
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Über die Autorin
Saskia Katharina Siebel
Ich bin leidenschaftliche Hunde- und Menschentrainerin und eine absolute Herzensangelegenheit ist die Familien-, Paar- und Tierfotografie.
Seit einigen Jahren schreibe ich regelmäßig Blogartikel (die es manchmal auch in sich haben) und trotzdem ist das Feedback von euch darauf großartig. Viele von euch nehmen sich meine Worte zu Herzen und viele von euch fangen an sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Somit hab ich mein Ziel erreicht 🙂
Ich wünsche mir ein friedvolles, faires und stressfreies Miteinander für jedes Mensch-Hund-Team. Dazu gehört aber mehr als nur Gassigehen und dem Hund Signale beibringen.
Das Wichtigste ist:
Arbeite an dir und lasse dich auf deinen Hund ein. Lerne deinen Hund zu verstehen. Lerne deinen Hund zu lesen. Sei mit Verstand und Herz dabei!
Das Ergebnis wird dich staunen lassen!

































